Player Profiles (#803): Kirk Triplett

Wenn man sich in den hinteren Regionen der Weltrangliste umschaut, fallen einem sofort die großen Namen ins Auge. Meist sind es ehemalige Masters-Sieger, die längst auf der Senior Tour spielen und nur durch ihre jährliche Masters-Teilnahme überhaupt noch in der Weltrangliste stehen. Anders bei Kirk Triplett. Drei Jahre vom Senioren-Alter entfernt, kämpft Triplett noch immer auf der PGA Tour.Doch von seiner früheren Form ist er weit entfernt.

2001 belegt der Mann mit dem Bucket Hat in drei der vier Major-Turnieren einen Platz in den Top 10. In seiner 25-jährigen Karriere als Pro verdiente er fast 14,5 Millionen Dollar an Preisgeldern – und obwohl seine beste Phase noch nicht in die Hochpreisgeld-Ära der PGA Tour fiel, ist er 56. in der ewigen Bestverdiener-Liste. Wie kann es also sein, dass ein Mann, der früher einmal an die Top 20 der Welt klopfte, sich mittlerweile auf Platz 803 der Weltrangliste wiederfindet? Mit einem Wort: Verletzungen.

Sein Leidensweg begann 2005. Nach einer fast verletzungsfreien Karriere zwangen ihn Schmerzen im linken Ellenbogen dazu, drei Monate der Saison zu pausieren. Ein Jahr später zwackte es schließlich im anderen Ellenbogen. Triplett spielte durch die Schmerzen wie er es immer tut, doch 2007 musste selbst er passen. Während der Players Championship in Sawgrass riss er sich einen Muskel in der Schulter. Er beendete das Turnier unter Schmerzen auf dem 23. Platz, doch eine Operation war unumgänglich, die ihn die ganze erste Hälfte der Saison 2008 kostete. Weil er nur neun Turniere spielen konnte, bestreitet er 2009 mit einer sogenannten „major medical extension“, die es ihm ermöglicht 20 Turniere zu spielen. Wenn er in diesen die Differenz zwischen seinem Preisgeld 2008 und dem des 125. der Geldrangliste einspielt, erhält er für 2010 eine Tourkarte. Wenn nicht, würde die PGA Tour erstmals seit 1989 ohne ihn auskommen müssen. Ein schwerer Verlust – für beide Seiten.

Denn Kirk Triplett gilt auf der PGA Tour als der personifizierte Mr. Nice Guy, wohl auch weil seine Karriere das Ergebnis harter Arbeit ist. Nachdem er ausgestattet mit einem Golfstipendium seinen Ingenieurs-Abschluss an der Uni von Nevada erwarb, tingelte er durch die Welt. Von den Mini-Touren in den USA ging es nach Kanada, Australien und Asien. Eine Zeit, die ihn mit Anekdoten für ein ganzes Leben ausstattete: Lebensmittelvergiftungen, eine Begegnung mit einer der tödlichsten Vipern und Turniere, die er vollgestopft mit Hundert-Dollar-Scheinen verließ, weil das Preisgeld nur in bar ausgezahlt wurde.

Dann schaffte er 1989, beim vierten Anlauf, endlich die Qualifikation für die PGA Tour – und machte sich sofort unverwechselbar. Aus Angst vor Hautkrebs zog er sich einen Bucket Hat über die Ohren, was ihm von seinen Tourkollegen den Spitznamen Gilligan einbrachte – und eine Silhouette, die Golffans bereits von weitem erkannten. Jahrelang spielte er konstant aber unspektakulär, was ihm den zweifelhaften Ruhm des bestverdienenden Pros, der nie ein Turnier gewann, einbrachte. Doch dann kam der 20.Februar 2000.

Bei den Nissan Open, seinem 266. Turnier auf der Tour, schlug seine große Stunde. Als er seinen 1,50 Meter Putt am letzten Loch des Riviera Country Clubs einlochte und mit einem Schlag vor Jesper Parnevik gewann, jubelte selbst der Schwede. „Ich habe gehofft, er macht ihn rein“, erzählte Parnevik nachher und bestätigte damit, dass Triplett auf der gesamten Tour bewundert und geschätzt wird. Zwei weitere Siege sollten bisher noch folgen für den Mann, der im September nie spielt, weil seine Kinder zurück in die Schule müssen und auf seinem Bag nicht für Autos, Schläger oder Golfclubs warb, sondern es mit Bildern von Kindern bedruckte, die auf eine Adoptivfamilie warten. Es wäre doch zu schade, wenn so ein Spieler die letzten Jahre vor der Senior Tour wieder zurück in die zweite Liga müsste.

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