Player Profiles (#960): Scott Drummond

Der Golfsport ist ein schnellebiges Geschäft. Kaum jemand belegt dies besser als Scott Drummond. 2004 gewann er in seiner Jungfern-Saison die britische PGA Championship und anschließend den Sir Henry Cotton Award als Rookie of the Year (der Preis, den Martin Kaymer 2007 erhielt). Heute ist der 34-jährige nur noch auf Platz 960 der Weltrangliste. In den letzten 54 Turnieren schaffte er gerade achtmal den Cut. Dass er überhaupt noch eine Karte hat, verdankt er alleine seinem einzigen Titel, der ihm für 5 Jahre einen Freifahrtschein bescherte. Doch der läuft in diesem Jahr aus, und so droht Drummond wieder in der Versenkung zu verschwinden, aus der er 2004 so überraschend auftauchte.

Vor dem Turnier in Wentworth stand er gerade einmal als 4. Nachrücker auf der Anmeldeliste. Erst acht Tage vor dem Turnier (manche Quellen behaupten, es sei am Abend vorher gewesen. Aber die Geschichte ist auch ohne Übertreibungen gut genug) erfuhr er, dass er überhaupt in das Teilnehmerfeld hereingerutscht war. Als er vor der Finalrunde einen Schlag Rückstand auf Angel Cabrera hatte, setzte niemand auch nur einen Pfifferling auf Drummond – außer er selber. Auf Anraten seines Mentaltrainers hatte er vor dem Turnier 10 Pfund bei einem Buchmacher auf sich selbst gewettet – bei einer Quote von 500:1. Und so konnte er, nachdem er mit einer 64er Schlussrunde das bis dato niedrigste Gesamtergebnis in der Turniergeschichte eingefahren hatte, zu seinem Preisgeld von 420000 Pfund noch ein kleines Zusatzsümmchen einstecken.

Es hatte lange gedauert, bis Drummond an diesem Punkt angelangt war. Als Junior und Amateur war er eine feste Größe im englischen Nationalteam. 1994 verpasste er sogar nur um einen Schlag die im Amateur-Sport bedeutende Lytham Trophy. Als er sich 1996 entschloss Profi zu werden, kamen gar Vergleiche zu Sandy Lyle auf. Wie der ehemalige Masters- und Open-Champion stammt er aus dem Bezirk Shropshire und nahm, als er Profi wurde, die schottische Nationalität des Vaters an. Doch da enden auch schon die Parallelen.

Vier Mal in Folge scheiterte Drummond in der Qualifying School zur European Tour. Während sein Vierer-Partner Steve Webster – der am gleichen Tag wie er Pro wurde – die Q-School gleich beim ersten Versuch gewann, schlug sich Drummond auf obskuren Touren (Hippo-, Futures-, Mastercard) rum – und blieb immer ganz knapp hinter den großen Zielen zurück. 1997 brauchte er am letzten Loch der Open-Qualifikation ein Bogey, verzog seinen Driver und spielte eine 6. 2001 belegte er auf der Challenge Tour den 18. Platz, und verfehlte die Karte für die European Tour nur um wenige tausend Euro.

Doch 2003 war es endlich soweit. In der Toulouse Open, dem viertletzten Challenge-Turnier des Jahres, fuhr Drummond seinen ersten Sieg ein und schaffte als 7. des Rankings die Tourkarte, die er dank der Volvo PGA Championship bis heute nicht wieder abgab. Bizarrerweise hatte er bis zum Triumph in Wentworth sieben von acht Cuts verpasst und als bestes Ergebnis einen 16. Platz aufzuweisen. Seine aktuelle Statistik: sechs der sieben letzten Cuts verpasst und als bestes Ergebnis in 2009 ein 16. Platz. Wenn sich Geschichte wiederholt, steht der nächste große Sieg also direkt vor der Tür. Doch vermutlich würde dieses Mal selbst Drummond nicht darauf wetten.

Als er kurz nach seinem großen Triumph interviewt wurde, sagte er „Niemand möchte als One-Hit-Wonder oder nur für eine gute Woche in Erinnerung bleiben.“ Aber genau das ist sein Platz in der Golf-Geschichte. Scott Drummond ist der lebende Beweis dafür, dass wenn alles zusammenpasst, jeder Spieler auf der European Tour jedes Turnier gewinnen kann.

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