Das Masters Journal 2011

Machen wir uns nichts vor: Den wenigsten von uns wird es vergönnt sein, einmal live beim Masters in Augusta vor Ort zu sein. Zu begehrt sind die Tickets, zu weit ist der Anreiseweg. Also bleibt uns nur die Übertragung via Fernseher oder Internet. Doch ein wenig Augusta-Flair wäre dabei schon wünschenswert. Wenn man nicht gerade den Gartenteich mit Lebensmittelfarbe tiefblau umfärben (auch wenn Augusta das mittlerweile nicht mehr macht) oder den vom Winter darbenden Rasen grün ansprühen will, gibt es nur eine Alternative: Das Masters-Journal. Bereits als 1934 das erste Augusta National Invitation Tournament stattfand, gab es so ein offizielles Programmheft (die Cover der letzten 21 Jahre finden sich hier im Text eingebunden).


Für einen aktuellen Copypreis von 9 US-Dollar (im Internet natürlich etwas teurer) erhält man ein 130 Seiten starkes, nahezu werbefreies (lediglich vier Seiten sind von Turnierpartnern belegt) Heft im Letterformat, das aus hochwertigem Papier produziert wurde und dadurch Bilder von exzellenter Druckqualität bietet. In jedem Jahr zieht sich ein Thema wie ein roter Faden durch das Programmheft, der meist aus der Tradition begründet ist. In diesem Jahr ist es beispielsweise die 75. Austragung des Turniers, da drei Jahre (1943-1945) dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer fiel.


Sogar ein Centerfold ist in diesem Jahr enthalten. Das besteht bei einem so auf Anstand bestehendem Turnier natürlich nicht aus einem Bunkerbabe, sondern aus einer ausklappbaren Übersichtskarte des Platzes mit einer Luftaufnahme und dem Routing. Doch das ist fast noch das Uninteressanteste am ganzen Heft, das sich durch hervorragend recherchierte und geschriebene Geschichten sowie die wirklich famosen Bilder auszeichnet. Unterteilt ist das Programmheft dabei in vier große Sinnabschnitte: Tradition, Reflection, Challenge und Competition.


Die große Traditionsgeschichte wurde von Ward Clayton verfasst, der bereits ein Buch über die Caddies von Augusta veröffentlicht hat. Er widmet sich in seinem an Anekdoten reichen Artikel (so erzählt Ben Crenshaw wie er vom Turnierchef sanft zu einem Haarschnitt gedrängt wurde) der großen Amateur-Tradition bei diesem Major, stellt die diesjährigen Amateurteilnehmer vor und die, die nahe dran waren als erster Amateur das Masters zu gewinnen – bis heute unerreicht. Botaniker werden sich anschließend über traumhafte Aufnahmen von den majestätischen Bäumen des Platzes freuen, während Statistiker sich eher auf die Kurzzusammenfassung der letzten 74 Masters stürzen werden.


„Reflection“ beginnt mit einem von Golf World Redakteur Bill Fields geschriebenen Porträt des ersten Masters-Siegers, Horton Smith, das allerdings wenig Neues. Spannend wird es allerdings danach. 16 Masters-Gewinner (u.a. Bernhard Langer) erinnern sich in eigenen Worten an ihre größten Siege. So erzählt Langer beispielsweise von einem Lucky Bounce am dritten Tag des Masters 1985, der ihm nach eigener Einschätzung überhaupt die Chance gab am nächsten Tag erstmals das Grüne Jackett überzustreifen. Und die Anekdote von Tommy Aaron, der über den Zaun von Augusta National klettern musste weil er als Amateur die Ausgangszeit überschritten hatte, ist schlicht unbezahlbar. Abgeschlossen wird die Rubrik durch einen Rückblick auf das vergangene Jahr.


Der vielleicht beste Abschnitt des Programmheftes ist auch der umfangreichste. Unter „Challenge“ gibt der Masters-Sieger und hochangesehene Golfplatz-Architekt Ben Crenshaw eine Beschreibung der 18 Löcher. Nun mag man sagen, dass ist nichts besonderes – schließlich stürzt sich jede Golfzeitschrift vor dem Masters auf eine Hole-by-Hole-Beschreibung. Das Besondere ist dabei jedoch die Aufmachung. Jedes Loch hat eine Doppelseite mit einem riesigen Foto des Lochs spendiert bekommen. Dazu gibt es ein Zitat von Bobby Jones, eine aktuelle Lochübersicht UND Illustration des Lochs und des Grüns aus dem offiziellen Programmheft des ersten Masters. Zwar nicht ganz so beeindruckend wie die interaktive Evolution des Platzes bei Golf Digest, aber ein faszinierender Blick wie sich der Platz in den letzten 77 Jahren verändert hat. Dass es zu jedem Loch auch noch umfangreiche Statistiken gibt, versteht sich von selbst.


Abgeschlossen wird das Heft durch die Rubrik „Competition“. Neben Basisdaten über die bis Redaktionsschluss qualifizierten Spieler gibt es ein Porträt von Ben Hogan, der vor 60 Jahren nach langem Warten endlich das Masters gewinnen konnte und in 68% seiner 25 Masters-Starts in den Top 10 landete. Der zweite Rückblick geht nur 10 Jahre zurück und beschäftigt sich mit dem vierten Masters-Sieg von Tiger Woods. Ein Ereignis, das einfach nicht lange genug zurückliegt um faszinierende Einblicke zu liefern. Spannender ist da schon die Sammlung „Masters Firsts“ in der u.a. aufgeführt wird, wer der erste Spieler mit 500 Birdies war (Jack Nicklaus), der erste Spieler mit allen vier Runden unter Par (Jimmy Demaret) und wer den allersten Ball beim Masters schlug (Ralph Stonehouse).


Alles in allem ist das aktuelle Programmheft ein faszinierender Blick in die Geschichte des Turniers und wenn man bedenkt, dass eine banale, mit Werbung vollgestopfte Golfzeitschrift, heutzutage 5 Euro kostet, ist das Masters Journal dazu noch ein echtes Schnäppchen. Eine Investition, die man jedem Golf- und vor allem Masters-Fan nur ans Herz legen kann.

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