David Feherty’s Totally Subjective History of the Ryder Cup

Wer während der Golf-Übertragungen der PGA Tour schon mal auf den Original-Kommentar gewechselt hat, kennt auch David Feherty – oder zumindest seine unverwechselbar akzentuierte Stimme. Als CBS-Kurskommentator, der immer mit einem lockeren Spruch auf den Lippen an der Seite der Top-Flights mitgeht, hat sich Feherty längst einen Kultstatus erarbeitet. Er war also nur eine Frage der Zeit, bis Feherty seinen trockenen Humor auch zu Papier bringt. Seit 2002 ist er als Buchautor tätig, die „Totally Subjective History of the Ryder Cup“ ist sein dritter Ausflug ins Autorenfach.

Wenn man an die europäische Ryder Cup Geschichte denkt, ist Feherty sicherlich nicht der erste Name, der einem einfällt, dennoch ist der Nordire eine gute Wahl für dieses Thema, da er den Ryder Cup sowohl aktiv bestritten hat (1991, dem Jahr von Bernhard Langers verschobenem Putt) als auch passiv an der Seitenlinie als Kommentator. Es spricht für Feherty, dass er seinem eigenen Auftritt in dem 256 Seiten starken Buch keinen besonderen Stellenwert einräumt. Stattdessen schildert er in seinem ganz eigenen Stil die Ereignisse jedes Ryder Cups von 1926 bis 2002.

Golfkenner werden jetzt sicherlich einwerfen, dass es den Ryder Cup erst seit 1927 gibt, aber Feherty zählt zusätzlich noch ein inoffizielles Match aus dem Jahr davor hinzu. Ob er dies auch getan hätte, wenn die Briten es verloren hätten, ist fraglich. Denn über die gesamte Dauer des Buches lässt Feherty keine Frage aufkommen, auf welcher Seite des Atlantiks seine Loyalität liegt. Nicht, dass er seine europäischen Ryder Cup Kollegen mit Samthandschuhen anfassen würde: Im Gegenteil. Besonders für seinen Kumpel Sam Torrance hat er einige deftige Schimpfwörter parat und Bernhard Langer wird über die Dauer des Buches ständig „Herman the German“ genannt. Man muss schon ein Freund des englischen Humors sein, um diese Chronik zu lieben. Kleiner Tipp: Wenn man sich beim Lesen die Stimme von Feherty vorstellt, macht das Buch noch einmal deutlich mehr Spaß. Zu schade, dass es noch keine Hörbuchversion davon gibt.

Zwar trifft Feherty mit seinen Witzen nicht immer ins Schwarze – besonders die Spruchblasen in den Bildern sind ein Schuss in den Ofen und verschandeln eher diese einzigartigen Zeitdokumente – doch als Chronik funktioniert dieses Werk von Anfang bis Ende einwandfrei. Besonders die Ereignisse der frühen Ryder Cups dürften auch für echte Golfkenner absolutes Neuland sein und stecken voller faszinierender Details. Dazwischen streut Feherty immer wieder kürzere Porträts einiger Ryder-Cup-Helden ein, von Samuel Ryder über Jimmy Demaret und Dai Rees bis hin zu Colin Montgomerie. Mit dem Ryder Cup Kapitän 2010 hat Feherty eine nicht ganz unkomplizierte Beziehung. Jahrelang dachte Monti, er hätte den Spitznamen „Mrs. Doubtfire“ – mit dem er 1999 in Brookline von den US-Zuschauern gehänselt wurde – Feherty zu verdanken. Erst 2002 nach dem europäischen Triumph in The Belfry schlossen die beiden Frieden.

Es sind solche liebevollen, kleinen Details, die dieses Buch besonders machen. Und man muss es Feherty hoch anrechnen, dass er nicht dem allgemein gültigen Vorurteil folgt und die amerikanischen Spieler und Zuschauer als unerzogene Rüpel darstellt. Natürlich findet auch Feherty deutliche Worte für das, was 1999 in Brookline passierte, doch auch Ballesteros und die europäischen Fans in Valderrama, die Tigers Putt ins Wasser bejubelten, kommen nicht ungeschoren davon. Das Buch mag zwar „totally subjective“ heißen, am Ende hat man aber doch den Eindruck, einen halbwegs objektiven Einblick in die Geschichte des Ryder Cupy bekommen zu haben.

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