Davis Love IIIs Pick-Kandidaten im Vergleich

Der Versuch die europäischen Ryder Cup Kandidaten anhand von relevanten Statistiken zu berechnen ging komplett auf. Zugegeben kein Kunststück – immerhin waren sich 99% aller Beobachter sicher, dass die beiden Picks Ian Poulter und Nicolas Colsaerts heißen würden. Etwas anders sieht die Situation bei den Amerikanern aus, wo sich um die heute um 16.15 Uhr bekannt werdenden vier Picks sieben Kandidaten streiten. Auf den ersten Blick scheint die Situation einfacher als in Europa wo es sieben Kandidaten für zwei Picks gab, aber abgesehen von Steve Stricker scheint es für Davis Love III und sein Team keinen Konsens-Pick zu geben. Manche sehen Jim Furyk dabei, andere halten ihn für ein No-Go. Einige glauben Fowler hat sich in den letzten zwei Wochen aus dem Team geschossen, andere verweisen auf sein Comeback im Ryder-Cup-Einzel 2010 und so weiter. Also machen wir doch einmal die Probe aufs Exempel ob die für die Europäer gewählten Statistiken auch bei den Amerikanern funktionieren werden – mit einer Ausnahme. Die Kategorie Ergebnisse in den USA wurde, wie ich denke, aus offensichtlichen Gründen gestrichen. Dafür habe ich aus dem reichen Statistik-Pool der PGA Tour die Kategorie Adjusted Scoring Average hinzugenommen – eine Statistik, die nicht nur die Durchschnittsschläge eines Spielers zählt sondern sie in Relation zu den Ergebnissen des Feldes setzt und so nicht automatisch eine 70 bei der U.S. Open schlechter macht als eine 69 bei der Reno-Tahoe Open.

U.S. Points List

Die Basis aller Berechnungen bilden natürlich auch bei den USA die offiziellen Ryder Cup Punkte. Bei Davis Love III werden sie zwar nur rudimentär betrachtet werden, da er sich mit der Nominierung seiner Picks extra zwei weitere Wochen Zeit lassen darf um einen aktuell heißen Spieler zu wählen. Nichtsdestotrotz wird diese Liste in die Entscheidung einfließen um einen konstanten Spieler herauszufiltern.

  1. Hunter Mahan 4.082
  2. Steve Stricker 4.015
  3. Jim Furyk 3.369
  4. Rickie Fowler 3.313
  5. Brandt Snedeker 3.176
  6. Dustin Johnson 3.040
  7. Nick Watney 1.571

Weltranglistenpunkte 2012

Die US-Qualifikationsliste beginnt sogar noch früher als die europäische. In sie fließen die Major-Ergebnisse aus 2011 ein. Zudem werden die Major-Ergebnisse 2012 doppelt gewertet, so dass sie sich doch deutlich von den Weltranglistenpunkten 2012 unterscheidet – auch weil man hier noch die zwei zusätzlichen Wochen berücksichtigen kann. Brandt Snedeker und Nick Watney machen so einen Satz nach vorn während Rickie Fowler durchgereicht wird. Wichtig bei dieser Liste ist es allerdings hinter Dustin Johnson ein Sternchen zu setzen. Er war lange verletzt und hatte es daher schwer, die gleiche Zahl an Punkten zu erreichen wie seine Konkurrenten.

  1. Mahan 191,88
  2. Snedeker 191,61
  3. Furyk 166,45
  4. Stricker 162,36
  5. Watney 144,93
  6. Johnson 141,72*
  7. Fowler 141,12

Ergebnisse in den letzten 8 Wochen

Davis Love III hat gesagt er will heiße Spieler mitnehmen (und nein, Rickie, er hat damit nicht auf Deinen Status als Teenieschwarm angespielt). Entsprechend wird diese Liste hier sehr großen Einfluss auf die Entscheidung des Kapitäns nehmen. Schlecht für die beiden Spieler ohne Top-Ten-Ergebnisse, gut für Dustin Johnson und Steve Stricker die als einzige zuletzt jeden Cut geschafft haben sowie Brandt Snedeker, der besonders die letzten zwei Wochen exzellent war.

  1. Johnson 5 – 3 – 48 – 19 – 9
  2. Stricker 13 – 54 – 7 – 2 – 23
  3. Snedeker 6 – 2 – 28 – MC – 50 – 34 – 3
  4. Watney 20 – 1 – 31 – MC – 19 – 23
  5. Furyk 13 – MC – 42 – 2 – MC – 34
  6. Fowler 74 – 24 – MC – 60 – 31
  7. Mahan 39 – MC – MC – 55 – 48 – 19

Major-Ergebnisse

Nur zwei der sieben Kandidaten haben bei allen vier Majors den Cut geschafft – ein großer Vorteil für Jim Furyk und Steve Stricker, die zudem noch eine Top-Ten sowie eine Top 20 aufweisen können. Das hat auch Snedeker zu bieten, der die U.S. Open verletzungsbedingt ebenso verpasste wie Dustin Johnson das Masters.

  1. Furyk 11 – 4 – 34 – 42
  2. Stricker 47 – 15 – 23 – 7
  3. Snedeker 19 – NA – 3 – MC
  4. Mahan 12 – 38 – 19 – MC
  5. Johnson NA – MC – 9 – 48
  6. Watney 32 – 21 – 23 – MC
  7. Fowler 27 – 41 – 31 – MC

Ryder Cup Erfahrung

Anders als bei den Europäern ist dieser Aspekt nicht zu vernachlässigen. Denn wo Olazábal nur Spieler mit Ryder-Cup-Erfahrung fest qualifiziert hatte, hat Davis Love III bereits schon so drei Rookies im Team. Entsprechend waren auch seine Aussagen vor einigen Wochen, als er speziell Stricker und Furyk fast als zwingend notwendige Eckpfeiler titulierte. Eine Aussage, die in den USA nicht unbedingt auf Verständnis traf, gilt Furyk aufgrund seiner 15 Niederlagen doch dort als Ryder-Cup-Versager. Doch diese Zahlen lügen ein wenig. Denn die meisten Niederlagen kamen in den Vierern und dort ist es immer schwierig zu sagen ob es an Furyk oder an seinem Mitspieler lag (ganz zu schweigen davon, dass er in einer Phase antrat als die Europäer dominierten). Blickt man aber einmal auf die Einzel, sieht die Sache ganz anders aus: von seinen sieben Einzeln gewann Furyk vier, unter anderem gegen Schwergewichte wie Nick Faldo, Sergio Garcia und Luke Donald. Daher sollte man Furyks Bilanz und Erfahrung vielleicht doch eher positiv als negativ sehen.

  1. Stricker (3 Siege, 3 Niederlagen, 1 Unentschieden; 1:1 in den Einzeln)
  2. Furyk (8 Siege, 15 Niederlagen, 4 Unentschieden; 4,5 Punkte aus 7 Einzeln)
  3. Fowler (0 Siege, 1 Niederlage, 2 Unentschieden; Einzel geteilt)
  4. Johnson (1 Sieg, 3 Niederlagen; Einzel gewonnen)
  5. Mahan (3 Siege, 2 Niederlagen, 3 Unentschieden; beide Einzel verloren)
  6. Snedeker und Watney

Match Play Qualität

Hunter Mahan und Steve Stricker haben beide das Accenture Matchplay gewonnen, wobei Mahans Sieg elf Jahre später kam und daher höher zu bewerten sein sollte. Snedeker durfte bisher nur einmal dort antreten, kam aber gleich in die dritte Runde – was deutlich besser ist als Jim Furyk, der in zwölf Starts nicht einen Ausreißer nach oben hatte und besonders in Playoffs gegen Snedekers Bilanz abstinkt. Rickie Fowlers Image als Matchplay-Hengst ist dagegen eher Legende. Ja, er hat beim Ryder Cup 2010 ein starkes Comeback hingelegt, aber die 14 Loch davor kann man deshalb ebensowenig unter den Teppich kehren wie die Tatsache, dass er bei zwei Accenture-Starts auch schon einmal in der ersten Runde flog. Und seine Amateur-Matchplaybilanz ist abseits des Walker Cups auch eher durchwachsen.

  1. Mahan (Accenture Matchplay 2012; 2:3 in Kontinental-Einzeln)
  2. Stricker (Accenture Matchplay 2001; ausgeglichen in Kontinental-Einzeln und Playoffs)
  3. Snedeker (zwei Playoffs, zwei Siege; beim einzigen Accenture Achtelfinale)
  4. Furyk (9:4 in Kontinental-Einzeln; 3:8 in Playoffs; bei 12 Accentures nie besser als Achtelfinale)
  5. Watney (bei allen drei Accentures Achtelfinale; ein Einzel-Sieg beim Presidents Cup)
  6. Fowler (1:1 in Playoffs; zwei Accenture Starts (R1, AF); Ryder-Cup-Einzel halbiert)
  7. Johnson (bei vier Accentures 3x in Runde 1 raus; 1:1 in Kontinental-Einzeln)

Driving Distance

Wie schon bei den Europäern ist diese Statistik nicht zu unterschätzen. Bereits mit etlichen Bombern in seinem Team wird Davis Love III mit Sicherheit Medinah richtig lang spielen lassen. Da wäre ein Dustin Johnson natürlich von großem Vorteil, der bei der Driving Distance alle sechs Konkurrenten um Welten überflügelt und so viel Vorsprung hat wie der Zweitplatzierte Watney vor dem Shorty Jim Furyk.

  1. Johnson 310
  2. Watney 295
  3. Fowler 294
  4. Mahan 293
  5. Snedeker 288
  6. Stricker 285
  7. Furyk 280

Strokes Gained Putting

Ryder Cups werden für gewöhnlich auf dem Grün entschieden, daher braucht man exzellente Putter im Team wie beispielsweise der Ryder Cup 2008 gezeigt hat als die USA gerade hier deutlich überlegen waren. Und wer wäre da besser geeignet als Brandt Snedeker, der mit 0,87 auf dem Grün gewonnenen Schlägen pro Runde nicht nur die sechs anderen Kandidaten in den Schatten stellt, sondern die gesamte PGA Tour: niemand hat 2012 besser geputtet als der Blondschopf. Auch die Veteranen Furyk und Stricker haben noch ein Plus bei sich stehen und – Überraschung – Dustin Johnson, der 2011 noch 171. in dieser Statistik war, sich 2012 aber fast in die Top 50 auf der PGA Tour geputtet hat.

  1. Snedeker +0,870
  2. Furyk +0,360
  3. Stricker +0,273
  4. Johnson +0,231
  5. Watney -0,002
  6. Mahan -0,063
  7. Fowler -0,143

Birdie Rate

Wie schon einmal erwähnt eines meiner Lieblings-Kriterien und dankenswerterweise musste ich sie dieses Mal nicht selber ausrechnen (ein Hoch auf Shotlink). Aufgrund seiner Länge würde man hier sicher Dustin Johnson vorne erwarten. Tatsächlich ist aber Wunderputter Brandt Snedeker die Birdie-Maschine schlechthin, gefolgt von Steve Stricker. Ganz hinten findet sich erstaunlicherweise Jim Furyk wieder, der in der Putt-Statistik noch weit vorne zu finden war – aber offensichtlich aufgrund seiner Kürze Probleme hat, sich Birdiechancen zu erarbeiten.

  1. Snedeker 22,14%
  2. Stricker 21,68%
  3. Johnson 21,19%
  4. Watney 20,73%
  5. Fowler 20,44%
  6. Mahan 19,44%
  7. Furyk 17,59%

Adjusted Scoring Average

Die oben erklärte Kategorie Adjusted Scoring Average fördert Spannendes zu Tage. Jim Furyk, der die wenigsten Birdies aller Kandidaten spielt, führt hier plötzlich das Feld an. Ein Anzeichen dafür, dass er äußerst konstant spielt und sich selten mal wilde Ausreißer leistet. Nun ist die Frage ob man eher Birdie-Maschinen oder konstante Spieler im Ryder Cup braucht? Die Antwort lautet natürlich: Beides. Gerade in den klassischen Vierern ist ein Typ wie Furyk Gold wert, während in den Fourballs ein Brandt Snedeker oder Dustin Johnson unverzichtbar wäre. Entsprechend wird auch diese Kategorie sicher Einfluss auf die Entscheidung von Davis Love III nehmen.

  1. Furyk 69,41
  2. Johnson 69,59
  3. Stricker 69,68
  4. Snedeker 69,86
  5. Mahan 70,08
  6. Watney 70,43
  7. Fowler 70,47

Gesamtergebnis

53 Punkte: Steve Stricker
48 Punkte: Jim Furyk
47 Punkte: Brandt Snedeker
—————————————
41 Punkte: Dustin Johnson
40 Punkte: Hunter Mahan
—————————————
30 Punkte: Nick Watney
25 Punkte: Rickie Fowler

Rechnet man alles zusammen, ergibt sich ein recht klares Bild, wer wohl nicht nach Medinah fahren wird. Nick Watneys eine gute Woche dürfte nicht reichen um sich ins Team zu spielen und bei Rickie Fowler gibt es keinen (sportlichen) Grund warum er ins Team kommen sollte. Wenn das orangene Männchen dennoch in Medinah dabei sein wird, muss man davon ausgehen, dass von den Fernsehanstalten sanfter Druck auf Davis Love III ausgeübt wurde, denn ansonsten wäre seine Nominierung absolut nicht nachzuvollziehen. Damit bleiben noch fünf Spieler für vier Plätze und hier wird die Geschichte etwas haarig.

Die Zahlen unterstreichen, dass Steve Stricker seinen Platz im Team absolut sicher haben dürfte, und auch wenn mein Bauchgefühl sagte, dass Furyk eher ein Wackelkandidat sei, kann ich mir jetzt nicht mehr vorstellen, dass Davis Love III ihn zu Hause lässt – genausowenig wie Brandt Snedeker, der die letzten zwei Wochen gezeigt hat wie unverzichtbar er ist. Blieben noch Dustin Johnson und Hunter Mahan, die fast gleichauf liegen. Es wäre schon irgendwie seltsam ausgerechnet Mahan – erster Nachrücker auf der Punkteliste und Sieger des Accenture Matchplay – zu Hause zu lassen. Aber ohne Verletzung wäre Dustin Johnson wohl fest im Team gewesen und die letzten Wochen haben eindeutig gezeigt, dass er Stand heute der deutlich bessere Spieler ist. Daher dürfte der vierte Pick an ihn gehen.

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