Der Club der Unter 60er

In jeder Sportart gibt es ein unerreichbares Ziel, das denjenigen, der es doch erreicht auf der Stelle unsterblich macht. Im Baseball ist es das „Perfect Game“, beim Fußball fünf Tore pro Spiel, im Basketball ein 60-Punkte-Spiel und im American Football ein 100-Yard-Touchdown. Auch beim Golf gibt es so eine magische Grenze: die 59er-Runde. Gestern ist Paul Goydos dieses seltene Phänomen bei der John Deere Classic gelungen – als vierter Spieler überhaupt auf der PGA Tour und als erster seit 1999. Zeit, einmal auf die Jahrhundertrunden des Golfsports zu blicken.

1977: Al Geiberger (Memphis Classic, Colonial Country Club, Par 72
Die erste Runde unter 60, die jemals auf der PGA Tour gespielt wurde. Mit 11 Birdies und 1 Eagle gelang Geiberger eine makellose Runde, die er mit einem 3-Meter-Birdieputt auf der 18 zu einem glanzvollen Ende brachte. An diesem Tag, dem 10.Juni 1977 hatte Geiberger einen magischen Putter im Bag, jedes seiner Birdies brauchte einen Putt von 3 Meter oder mehr. Auf einem Kurs mit weit über 7200 Yards Länge mit dem Equipment von 1977 eine 59 zu spielen muss als eine der größten Golfleistungen überhaupt gelten. Nicht umsonst war Geiberger danach als „Mr. 59“ bekannt.

1991: Chip Beck (Las Vegas Invitational, Sunrise Golf Club, Par 72)
Auf einem nagelneuen Kurs mit jungen Bäumen und sanftem Rough bei idealen Scoring-Bedingungen gelang Chip Beck die zweite 59 der PGA-Tour-Geschichte. Zugegeben: CSA war an diesem Tag vermutlich -1 (der 74. beendete das Turnier mit 10 unter Par), aber dennoch ist diese Leistung bemerkenswert. Immerhin gelang sie bei einem Pro-Am-Event, bei dem die Ablenkung bekanntlich recht groß ist. 13 Birdies hatte Beck am Ende auf der Scorekarte, davon drei auf seinen letzten drei Löchern (7, 8 und 9). Die Belohnung: Eine Sonderprämie von 500.000 Dollar.

1998: Notah Begay III (Dominion Open, The Dominion Club, Par 72)
Dem Kumpel von Tiger Woods gelang etwas, was seinem Studienkollegen bisher verwehrt blieb: eine 59. Auf der Nike Tour (heute die Nationwide Tour) spielte er auf dem 7020 Yards langen Dominion Club neun Birdies und zwei Eagles. Gestartet auf der 10 deutete auf seinen ersten neun Löchern wenig auf die Rekordrunde hin. Eine 32 mit vier Birdies war wahrlich nichts Ungewöhnliches. Doch dann ging es los. Auf Bahn 1 lochte er aus gut 100 Metern zum Eagle ein, es folgte ein Birdie und anschließend mal eben ein Hole-in-One. Mit vier weiteren Birdies hatte er die 59 in der Tasche.

1998: Doug Dunakey (Miami Valley Open, Heatherwoode Golf Course, Par 70)
Drei Wochen nach Notah Begay III war Doug Dunakey an der Reihe. Bei der Miami Valley Open auf dem 6730 Yards langen Heatherwood Golf Course spielte er ebenfalls eine 59 – mit 10 Birdies und einem Eagle. Allerdings hatte die Runde zwei Makel: zum einen war es nur ein Par 70, zum anderen verbockte er sich am letzten Loch mit einem 3-Putt-Bogey aus 8 Metern (und einem verschobenen 70cm Par-Putt) die Chance auf einen Rekord für die Ewigkeit.

1999: David Duval (Bob Hope Chrysler Classic, PGA West (Palmer Course), Par 72)
Zu Beginn der Schlussrunde hatte David Duval sechs Schläge Rückstand auf Steve Pate, der eine 66 spielte – und das Turnier verlor. Mit 11 Birdies hatte Duval den Rückstand bereits egalisiert. Und an der 18, einem 543 Yards langen Par 5. beendete er sie mit einem Ausrufezeichen, ein Eagle. Wie ein Uhrwerk nagelte die ehemalige Nummer 1 der Weltrangliste seine Eisen tot an die Fahne; Seine 12 Putts für Birdie bzw. Eagle waren zusammengerechnet gerade einmal 18 Meter lang.

2000: Shigeki Maruyama (U.S. Open Qualifying, Woodmont Country Club – South, Par 71)
Der Japaner Shigeki Maruyama kann von sich behaupten die erste 58 in einem Profi-Event gespielt zu haben – auch wenn es nicht als offizieller Rekord gezählt wird, weil es „nur“ ein Qualifikationsturnier für die U.S. Open war. Doch sein Ergebnis auf dem 6539 Yards langen Par-71-Kurs ist sicherlich auch nicht niedriger zu bewerten als die beiden anderen 58er-Runden. Mit elf Birdies und einem Eagle sicherte er sich locker einen Startplatz bei der U.S. Open in Pebble Beach. Das Eagle kam übrigens nicht an einem Par 5, sondern durch ein vom Fairway gelochtes Wedge.

2000: David Gossett (Q-School, The Club at PGA West – Nicklaus Course, Par 72)
Die 2000er Saison war für Gossett eine Katastrophe. Bei sieben Starts schaffte er nicht eine Runde in den 60ern. Und um ehrlich zu sein: auch bei der Q-School gelang es ihm nicht. Denn nach Runden von 70, 76 und 71 legte er mal eben kurzerhand eine 59 nach – die erste in der Geschichte der Qualifying School. Auf den Back 9 des Kurses gelangen ihm sechs Birdies, es folgte ein weiteres Birdie auf der 1 und schließlich ein Hole-in-One auf Bahn 3. Mit vier Birdies auf seinen Schlusslöchern erreichte Gossett die magische Zahl. Die tragische Ironie der Geschichte: Er verpasste trotzdem seine Tourkarte.

2001: Annika Sörenstam (Standard Register Ping, Moon Valley Country Club, Par 72)
Als erster (und bisher einziger) Frau gelang – wie könnte es auch anders sein – der großen Annika Sörenstam eine Runde unter 60. Auf dem 6457 Yards langen Moon Valley Country Club legte die Schwedin eine Lehrstunden in Sachen Golf hin, verfehlte nur ein Fairway, traf alle 18 Grüns in Regulation und lochte reihenweise Putts aus 4 Metern und mehr. Dabei legte sie los wie die Feuerwehr. Auf den ersten 13 Loch (sie startete auf der 10) gelangen ihr sage und schreibe 12 Birdies, nur die 18 spielte sie in Par. Danach kam der „Einbruch“ und ihr gelang nur noch ein weiteres Birdie. Dennoch könnte dies die perfekteste Golfrunde sein, die je gespielt wurde.

2001: Jason Bohn (Bayer Championship, Huron Oaks, Par 71)
Jason Bohn hat schon eine einmalige Karriere. Als Student musste er seinen Amateurstatus aufgeben, nachdem er für ein Hole-in-One eine Million Dollar kassierte (für das er noch heute Raten bekommt) und dann legte er auf dem 6400 Yards langen Huron Oaks Club die erste 58 der offiziellen Tour-Geschichte hin. Das Erstaunliche daran: er produzierte bei dem Canadian-Tour-Event sogar noch ein Bogey auf Bahn 8. Doch zehn Birdies und zwei Eagles waren mehr als genug um das wieder auszugleichen und am Ende die Kristalltrophäe einzusacken. Nur ein kleiner Zwischenschritt für den Amerikaner, der sich dieses Jahr genau zu seinem 37. Geburtstag mit seinem ersten PGA-Tour-Sieg bei der Zurich Classic bescherte.

2003: Masahiro Kuramoto (Acom International, Ishioka Golf Club, Par 71)
Als erster Spieler der Japan Tour gelang Masahiro Kuramoto auf dem 7046 Yards langen Ishioka Golf Club eine 59. Mit zwölf Birdies, davon sieben in Folge brach er den fünf Jahre alten Tour-Rekord von Noboru Fujiike. Es dürfte die erste 59 mit einem Belly-Putter gewesen sein, mit dem er gleich auf Bahn 10 (seiner ersten) einen 10-Meter-Putt lochte. Er gewann das Turnier in einem Play-off, sein Rekord hat allerdings nicht mehr Bestand.

2004: Phil Mickelson (Grand Slam of Golf, Poipu Bay Golf Course, Par 72)
Beim Schaukampf der Major-Gewinner in Hawaii setze Phil Mickelson das i-Tüpfelchen auf sein phänomenales Jahr 2004. Mit elf Birdies und einem Eagle (an der 18 verpasste er mit einem verfehlten 3-Meter-Eagle-Putt die 18) trug er sich in den elitären Club ein, taucht auf offiziellen Rekordlisten aber selten auf, weil es kein offiziell sanktioniertes Turnier der PGA Tour war. Dabei war die Runde weit von Perfektion entfernt. Mit nur 5 getroffenen Fairways musste sich Mickelson auf dem 7081 Yards labgen Poipu Bay Golf Course mal wieder auf sein herausragendes kurzes Spiel verlassen. Lediglich 23 Mal holte er den Putter heraus.

2005: Jason Gore (Cox Classic, Champions Run Omaha, Par 72)
Bereits bei der U.S. Open 2005 machte der gemütliche Gore auf sich aufmerksam als er aus dem Nichts kommend bis zur Schlussrunde oben mitspielte. Doch dann gelang ihm einer der größten Läufe der Golf-Geschichte. Auf der Nationwide Tour, auf die er wegen Erfolglosigkeit zurückgefallen war, hatte er zwei Siege in Folge gelandet, als er auf dem knapp 7200 Yards langen Champions Run Omaha aufteete. Mit einer uninspirierten 71 schien sein Hoch ein jähes Ende gefunden zu haben. Dann spielte er in der zweiten Runde auf den Back 9 immerhin solide fünf Birdies bis ihn ein Bogey auf der 1 wieder stoppte. Doch dann legte Gore richtig los: Eagle, Par, Birdie, Birdie, Eagle, Par, Birdie brachten ihn auf 11 unter Par. Das Beste auf das er hoffen konnte war also 60. Oder? Auf Bahn 9, einem kurzen Par 4, zückte Gore den Driver, traf das Grün und lochte aus 6 Metern zu seinem dritten Eagle des Tages. Fast noch beeindruckender: zwei Tage später spielte er in der Schlussrunde neun Birdies in Folge, erreichte das Playoff und gewann seinen dritten Titel in Folge – und damit eine automatische Beförderung auf die PGA Tour.

2006: Adrien Mörk (Moroccan Golf Classic, Golf du Soleil, Par 71)
Als erster Europäer gelang dem Franzosen Adrien Mork die magische 59. Kaum zu glauben aber zuvor gelang weder auf der European Tour, noch der Challenge oder Seniors Tour eine Runde unter 60. Das Unfassbare dabei: er hatte ein Doppelbogey auf der Scorekarte an der 2, seinem elften Loch. Bis dahin hatte er sechs Birdies gespielt. Mörks coole Reaktion: er spielte die letzten sieben Bahnen in acht unter Par – allerdings auf einem vergleichsweise kurzen Platz

2006: Martin Kaymer (Habsberg Classic, Golfclub am Habsberg, Par 72)
Nur vier Wochen nach Adrien Mörk gelang Martin Kaymer auf der eine Klasse tieferen EPD Tour das gleiche Ergebnis – allerdings auf einem Par 72. Dabei begann die Runde denkbar schlecht. Nach zwei Loch lag Kaymer eins über Par. Doch danach legte er zwölf Birdies und ein Eagle hin. Und dabei vergab er sogar an der 17, dem letzten Par-5, die Chance auf ein noch besseres Ergebnis. Beachtlich aber, dass Kaymer am Tag danach gleich noch mal eine 62 auf dem knapp 6500 Meter langen Kurs nachlegte und das Turnier mit zehn Schlägen Vorsprung gewann.

2006: Steve Marino (Sidney Frank Memorial Tour Championship, Desert Mountain – Outlaw, Par 72)
Dem heutigen PGA-Tour-Spieler Marino gelang seine 59 auf der Gateway Tour, der dritten Ebene des US-Golfs – allerdings beim bestdotierten Turnier der Serie, das er mit zehn Schlägen Vorsprung gewann. Allerdings muss man sagen, dass der 6500 Yards lange Platz keine übermäßig große Herausforderung war. Marino spielte auf sieben seiner ersten neun Löcher Birdie und legte auf den Back 9 zwei Eagles (davon eines auf einem erreichbaren Par 4) sowie zwei Birdies nach. Er hatte sogar eine Chance auf eine 58, doch der Birdie-Putt auf der 18 lippte aus.

2008: Harrison Frazar (Q-School, The Club at PGA West – Nicklaus Course, Par 72)
Als zweiter Spieler gelang es Harrison Frazar in der Geschichte der Q-School eine 59 zu erzielen – auf dem gleichen Kurs auf dem es zuvor David Gossett gelang. Allerdings machte es Frazar besser und holte sich seine Tourkarte – sogar als Sieger der Q-School. Mit elf Birdies und einem Eagle gelang ihm eine makellose Runde. Sein 59. Schlag an diesem Tag war ein Tap-in-Par auf der 18.

2010: Ryo Ishikawa 58 (The Crowns, Nagoya Golf Club, Par 70)
Im vergangenen Jahr ließ Teen-Phänomen Ryo Ishikawa aufhorchen. Mit einer 58 – wenn auch auf einem Par-70 Kurs – legte er die beste Runde hin, die jemals auf einer der Haupttouren der Welt gespielt wurde. Auf dem 6545 Yards langen Nagoya Golf Club gelangen ihm auf den ersten elf Bahnen schlappe neun Birdies, eines davon mit Chip-In. Von der 14-16 legte er noch mal drei nach und machte so sechs Schläge Defizit in der Schlussrunde wett. Das Bizarre an seinem Ergebnis: nach den ersten drei Runden des Turniers hatte er gerade mal eins unter Par gelegen.

2010: Paul Goydos (John Deere Classic, TPC Deere Run, Par 71)
Gegenüber seinen drei Vorgängen wird Paul Goydos‘ 59 auf der PGA Tour vermutlich mit einem Sternchen versehen. Schließlich gelang seine auf einem Par 71 und war daher nur 12 unter Par. Doch mit 7257 Yards ist auch dieser Platz kein Spaziergang – besonders für einen 46-Jährigen. Daher ist es wenig überraschend, dass Goydos‘ Runde ohne Eagle entstand und seine 12 Birdies in erster Linie ein Resultat seines Putters waren. Reihenweise lochte er Putts aus 5 Meter und mehr, der längste war ein 12-Meter-Monsterputt auf der 11. Ein wenig relativiert wurde die Runde allerdings dadurch, dass Steve Stricker ein paar Stunden später mit einer 60 ins Clubhaus kam.

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