Der neue Statistikwahn der PGA Tour

Die Amerikaner lieben ihre Statistiken. Ob Baseball, Basketball oder Football: Jedes Spiel, jeder Spielzug wird nach vielen verschiedenen Kriterien aufgeschlüsselt. Jetzt gliedert sich auch der Golfsport in diese Reihe ein. Seit gut zwei Wochen erscheint die Statistikseite der PGA Tour in neuem Gewand und mit vielen neuen Funktionen.

In sage und schreibe 450 verschiedenen Kategorien kann man sich die Daten anschauen, die seit 2002 von der ShotLink-Technologie gesammelt wurden und von kurios über verblüffend bis hin zu überflüssig und verwirrend sämtliche Kriterien abdecken. Vor allem aber sind es viel zu viele Statistiken. Angenommen ich möchte herausfinden, wer der beste Bunker-Spieler auf der PGA Tour ist. Da gibt es erst einmal vier Kategorien nach Entfernung aufgeteilt: Prozentsatz der Sand Saves innerhalb 10 Yards, zwischen 10-20 Yards, zwischen 20-30 Yards und von weiter als 30 Yards. Da in jeder Kategorie ein anderer Name oben steht, ist man danach auch nicht schlauer als zuvor.

Glücklicherweise gibt es auch eine gesammelte Sand Save Statistik, in der Luke Donald mit über 80% mit weitem Abstand vorne liegt und auch im Vorjahr diese Kategorie gewann. Der Engländer ist also der beste Bunkerspieler der Tour. Richtig? Falsch! Denn schließlich bestehen Sand Saves aus zwei Komponenten: Bunkerspiel und putten. Vielleicht ist Donald ja nur ein sehr guter Putter und der eigentlich beste Bunkerspieler der Tour, kann den Ball einfach nicht ins Loch kriegen. Aber ganz versteckt gibt es dann doch noch eine Kategorie, die die Ausgangsfrage beantwortet. Sie nennt sich Proximity to Hole from Sand und gibt an, welchen Abstand zum Loch die Spieler nach dem Bunkerschlag noch lassen. Und demnach ist Mike Weir momentan der beste Bunkerspieler, auch wenn die Datenbasis für 2010 noch nicht so groß ist. Das Überraschende: Der vermeintlich beste Bunkerspieler, Luke Donald, landet in dieser Kategorie 2009 nur auf Platz 75.

Ein ähnliches Spiel ergibt sich bei allen Kurzspiel-Kategorien. Es ist einfach ein zu großer Datenwust, und die wirklich sinnvollen Statistiken muss man sich mühselig selber heraussuchen. Ganz extrem wird es beim Putting. Durch insgesamt 88 (!) Unterpunkte kann sich der geneigte Putt-Fan wühlen. Bester Putter aus 4 Fuß? Padraig Harrington. 5 Fuß? Jarrod Lyle. 9 Fuß? Briny Baird. Das ganze Spiel kann man von 3 bis 10 Fuß durchziehen, dazu gibt es dann noch verschiedene Bereiche wie innerhalb von 10 Fuß oder 20-25 Fuß. Nicht nur, dass diese Dinge einen minimalen Nutzwert haben und fast schon willkürliche Ergebnisse liefern. Sie sind auf der Webseite noch nicht einmal geordnet, sondern stehen in wilder Reihenfolge zwischen den einzelnen Punkten eingeordnet. Man könnte ja sonst in Verdacht geraten übersichtlich zu sein.

So ein richtig überzeugendes Putting-Modell habe ich dabei nicht entdecken können. Ganz interessant finde ich die durchschnittliche Distanz gelochter Putts, die zumindest für 2009 in Zahlen den Ruf von Brad Faxon als außergewöhnlicher Putter belegt. Aber auch hier gibt es natürlich ein paar Haken: Wer zum Beispiel seine langen Putts nahe ans Loch legt und nur aus zehn Zentimetern eintippt, landet hier hinten obwohl er ein guter Putter ist. Das absolute Highlight ist aber ohne Frage die Liste der längsten gelochten Putts, die belegt, dass seit Beginn der Datenaufzeichnung Hal Sutton bei der Mercedes Benz Championship 2002 mit 40,6 Metern den Rekord für den längsten Putt hält.

Der größte Spaß für Technik-Junkies ist die Abteilung Off the Tee, in der die ganzen Daten der Radarkanone aufgeschlüsselt werden, beispielsweise wer die höchste Schlägerkopfgeschwindigkeit hat (Bubba Watson), die längste Carry-Weite (Dustin Johnson), die höchste Spin-Rate (Chris Couch), den größten Schwung-Bogen (John Daly) und den höchsten Abflugwinkel des Balles, der von 6.5° (Trevor Immelman) bis 13.9° (Nick O’Hern) ein immensen Spektrum aufweist.

Überhaupt gibt es hier tatsächlich viel sinnvolles zu entdecken. Weil ein Ball, der drei Millimeter ins Semirough rollt und ein Ball, der 80 Meter rechts in den Wald geht identisch als verfehltes Fairway gezählt wird, liefert die durchschnittliche Abweichung vom Fairwayrand ein besser abgestuftes Ergebnis: zum Beispiel, dass J.B. Holmes fast 12 Meter von seinem Ziel abweicht.

Die absolut beste Abteilung ist aber die Streaks-Sektion, die man komplett für die PGA-Tour-Werbekampagne „These guys are good“ verwenden könnte. Wer hat die meisten Sand Saves in Folge, die meisten getroffenen Grüns in Folge, die längste Serie ohne 3-Putt oder die meisten Runden unter 70 nacheinander. Warum gerade dieser Bereich so gut ist? Er liefert eine übersichtliche Anzahl an Kategorien, allesamt sind selbsterklärend und vor allem für jeden einzelnen Golfer ganz einfach mit den eigenen Leistungen vergleichbar. Genau so müssen Statistiken sein. Schade, dass man sich dafür durch gefühlte 350 unnütze Zahlenkolonnen wühlen muss.

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