Die 10 schlechtesten Turniere von Tiger Woods

Angesichts der aktuellen Formkrise von Tiger Woods schien es einmal interessant nachzuschauen, ob sein aktueller Auftritt bei der Farmers Insurance Open wirklich einer der schlechtesten seiner Karriere war. Für jeden normalen Profi-Golfer wäre es sehr einfach eine Liste der zehn schlechtesten Turniere aufzustellen. Selbst Weltklassegolfer wie Martin Kaymer haben jedes Jahr 3-4 Aussetzer in denen so gar nichts zusammenläuft. Nicht so Tiger Woods. Wenn man einmal von seinen Starts als Amateur absieht, als er als Teil seines Lernprozesses Probleme hatte den Cut zu schaffen, muss man die miesesten Woods-Turniere schon mit der Lupe suchen. Es ist immer wieder verblüffend mit welcher Konstanz und Überlegenheit die ehemalige Nr. 1 der Welt Runde für Runde abgespult hat. Trotz seiner aktuellen Schwungkrise hat er immer noch weniger als zehn Cuts verpasst. Dem gegenüber stehen 14 Major-Siege und über 80 Titel weltweit. Diese Zahlen sollte man bei der folgenden Liste immer im Hinterkopf behalten: Für Tiger Woods ist ein 40. Platz eine Enttäuschung, für viele andere ist es eine Karriere.
Kriterien für die Auswahl der Liste waren die Platzierung (im Verhältnis zur Größe des Feldes), der Rückstand zum Sieger und die Anzahl der schlechten Runden. Ein verpasster Cut oder ein schlechtes Ergebnis aufgrund einer verpatzten Runde (wie bei der Canadian Open 1997 oder beim Pebble Beach Pro-Am 1999) fielen beispielsweise aus der Betrachtung heraus.

10. 2006 U.S. Open

Es ist eigentlich unfair, dieses Turnier hier aufzuführen, denn das Ergebnis entstand unter besonderen Umständen. Einen Monat vor der U.S. Open verstarb Tigers Vater Earl. In seinem ersten Start nach diesem Schicksalsschlag war Golf selbst für einen Tiger Woods plötzlich zur Nebensache geworden. Es war ein Turnier, das den undurchdringlichen Woods plötzlich menschlicher machte. Es war aber auch ein Turnier wo die sportliche Leistung nicht stimmte, daher findet es sich hier auf Platz 10 wieder – wenn auch mit einem dicken Sternchen. Aber mit 25% getroffenen Fairways, weniger als 50% getroffenen Grüns und nur drei Birdies gegenüber drei Doppelbogeys war sein erster verpasster Cut bei einem Major rein sportlich gesehen eine seiner schwächsten Leistungen überhaupt, was auch der 13-Schläge-Rückstand auf den Ersten zeigte – nach der Hälfte des Turniers wohlgemerkt.

9. 1997 Buick Classic

Eigentlich hätte Tiger Woods schon nach sechs Loch die Koffer packen können. Vier Bogeys spielt er in so kurzer Zeit auch nicht alle Tage. Zwar rettete er sich mit zwei Birdies am Ende noch auf eine 72 auf dem Par-71-Kurs, das setzte jedoch keine Trendwende in Gang. Mit einer zweiten 72 schaffte er gerade so den Cut, und die Inkonstanz setzte sich bis zum Schlusstag fort, wo einem Eagle und drei Birdies vier Bogeys und ein Doppelbogey entgegenstanden. Am Ende belegte er mit 19 Schlägen Rückstand den 43. Platz. Viel schlimmer für ihn war jedoch die Tatsache, dass er in seinen zwölf letzten Runden nur ein Mal Par durchbrochen hatte. Konsequenz: Eine kurze Auszeit mit Angelurlaub.

8. 1999 Bay Hill Invitational

Eigentlich müsste das Bay Hill Invitational als verpasster Cut in der Statistik von Tiger Woods auftauchen. Dass es dies nicht tat, verdankt er Matt Kuchar. Als geteilter 71. hatte Woods eigentlich einen Schlag zuviel, doch Kuchar trat als Amateur an. Da diese für den Cut nicht gewertet werden, verschob sich der Cut auf die besten 71. Viel machte Woods aus diesem Glücksfall allerdings nicht. Wie schon in den beiden Runden zuvor schaffte er es auch in den zwei Finaltagen nicht, unter Par einzukommen. Zuletzt passierte ihm dies damals 14 Starts vorher bei der Players Championship. Zwar schob sich Woods noch leicht auf Platz 56 nach vorn, doch mit 16 Schlägen Rückstand auf Tim Herron war es dann doch eher eine Woche zum Vergessen für ihn.

7. 1998 Tour Championship

Wie schlecht war die Leistung von Tiger Woods? So mies, dass der eigentlich immer fokussierte Woods in Runde drei mit einer gigantischen Afro-Perücke am ersten Tee auftauchte. Nach grausamen Runden von 75 und 76 – 11 über Par- war er im verkleinerten 30er Feld für das Abschlussevent der 98er Saison Letzter. Also ging er an Halloween den Verkleidungsweg und amüsierte die Zuschauer als er ungewohnt die Runde eröffnen durfte. Zumindest für die Schlussrunden half die lockere Haltung. Mit zwei 69ern schob er sich noch auf Platz 20 vor, auch wenn der Rückstand zum Sieger bei massigen 15 Schlägen blieb.

6. 2005 The Players Championship

Die Players Championship und TPC Sawgrass gehören zu den Orten wo Tiger Woods tendenziell eher schlechte Ergebnisse hatte – und damit ist nicht seine fragwürdige Pressekonferenz nach dem Sexskandal gemeint. Der sportlicher Tiefpunkt an diesem Ort fand 2005 statt. Sein 53. Platz bedeutete für Woods das schlechteste Ergebnis seit über 6 Jahren als er in Bay Hill 56. wurde. Und mit 293 Schlägen absolvierte er erstmals seit 2004 wieder ein Turnier über Par – damals allerdings die deutlich schwierigere U.S. Open. Einzig Erfreuliches: Mit dem gerade so geschafften Sprung ins Wochenende schraubte er seine erfolgreiche Cut-Serie auf 140. Angesichts von 14 Schlägen Rückstand auf Fred Funk aber eher ein schwacher Trost.

5. 2003 Tour Championship

Im Finale der 2003er Saison stand für Tiger Woods viel auf dem Spiel. Mit einem Sieg hätte er Vijay Singh noch von der Spitze der Geldrangliste verdrängen und ein für alle Mal bei der Player of the Year Wahl den Sack zumachen können. Stattdessen legte er eine der schlechtesten Putting Performances seiner Karriere hin. Bereits in der ersten Runde gelang es ihm nicht, die Grüns richtig zu lesen. In Runde zwei verfehlte er gleich vier Putts innerhalb von 3 Metern, bei einem Woods in Normalform eigentlich Formsache. Eine desaströse 74 in der Schlussrunde ließ ihn schließlich auf Platz 26 abstürzen – bei 31 Teilnehmern. Auf Sieger Michael Campbell hatte Woods satte 17 Schläge Rückstand.

4. 2009 Open Championship

Die Open Championship 2009 in Turnberry ist bis heute die schwächste Major-Performance von Tiger Woods. Dabei hatte er in der ersten Runde durchaus noch Glück mit dem Wetter, doch seine Drives flogen rechts und links, und oft hatte selbst Woods nicht genug Kraft, um die Bälle mehr als nur aus dem Rough rauszuhacken. Die zweite Runde ging er kontrollierter an, doch ab der 8 ging es abwärts. Zwei Bogeys in Folge wurden gekrönt von einem unkontrollierten Abschlag an der 10, der in der ultimativen Schmach für einen Profigolfer endete: ein verlorener Ball. Nach Bogeys an der 12 und 13 hatte er innerhalb von sechs Löchern sechs Schläge verloren. Selbst mit einem starken Finish zuviel um den Cut zu schaffen. Mit 10 Schlägen Rückstand auf den Führenden strich Woods die Segel und verließ fluchtartig Turnberry.

3. 2010 Wells Fargo Championship

Nachdem er beim Masters mit einem vierten Platz aus seiner langen Pause herausgekommen war, erwarteten viele bei seinem zweiten Auftritt den alten Woods zu sehen, der das Feld dominiert – besonders nachdem er sein erstes Loch mit Birdie absolvierte. Doch danach bekamen die Zuschauer einen Tiger, den sie noch nie gesehen hatten. Gerade einmal drei weitere Fairways traf er in der ersten Runde, an der 17 und 18 – Woods achte und neunte Bahn des Tages – landete er im Wasser. Auf den letzten Löchern versuchte er noch einmal ein Comeback, doch nach drei Birdies schloss er mit einem Bogey, zwei über Par und neun Schläge Rückstand auf Bo Van Pelt. Was danach folgte war die schlechteste Runde seiner gesamten Profilaufbahn. Die ersten neun hielt er trotz zweier Bogeys noch zusammen. Doch auf den Back 9 schoss er eine 43 mit zwei Doppelbogeys, wirkte fahrig und lustlos als er aus einem Meter drei Putts brauchte, und entging am Ende nur ganz knapp der Schmach eine 80 auf der Scorekarte eintragen zu müssen. Mit 9 über Par verpasste er als 140. den Cut um acht Schläge.

2. 1997 Memorial

Nicht mal ein Jahr war Tiger Woods Profi als er beim Memorial antrat, aber schon da war er eine Legende. Frisch vom dominantesten Masters-Sieg aller Zeiten und mit 11 der letzten 12 gespielten Runden unter Par trat er an seine Dominanz des Golfsports fortzusetzen. Stattdessen gab es den ersten Dämpfer. Bei nicht gerade optimalen Bedingungen – das Turnier wurde aufgrund des Wetters auf drei Runden verkürzt – quälte er sich über den Platz und begann eine neue Serie: drei Runden in Folge Par oder schlechter. Mit einer 75 in der zweiten Runde lief er sogar Gefahr den Cut zu verpassen, rettete sich aber gerade noch so ins verkürzte Wochenende. Mit der Schirmmütze nach hinten gedreht aufgrund des starken Regens wurde es in der Schlussrunde nicht besser. Ein Quintuple-Bogey an der 12 mit zwei Schlägen ins Wasser machten alle Hoffnungen auf eine Verbesserung zunichte. Am Ende wurde er 67. mit 19 Schlägen Rückstand bei einem Turnier, das nur über die Dreiviertel-Distanz ging.

1. 2010 Bridgestone Invitational

Was gibt es Demütigenderes als den Cut zu verpassen? In einem Turnier zu versagen bei dem es keinen Cut gibt. Die Bridgestone Invitational 2010 ließ alle Tiger Woods Fans geschockt zurück. Die ersten beiden Tage waren schlimm genug. Auf einem seiner Lieblingsplätze begann er die Arbeitswoche mit Bogeys auf den ersten zwei Löchern, rumpelte zu einer 74 (4 über Par) und lag bereits zehn Schläge zurück. Nach einer 72 in der zweiten Runde wäre er am liebsten wieder nach Hause gefahren um weiter an seinem Junggesellen-Bart zu arbeiten. Stattdessen musste er noch zwei Mal raus. Doch wer auf Besserung gehofft hatte, wurde bitter enttäuscht. „Ich habe grausam abgeschlagen, meine Eisen grausam getroffen und schlecht geputtet“ fasste Woods konsterniert seine dritte Runde, eine 75 zusammen. Und das war nicht einmal die schlechteste der Woche. Es folgte eine 77, ein nie dagewesenes Endergebnis von 18 über Par und ein vorletzter Platz – einzig der kranke Henrik Stenson lag noch schlechter. Woods Abstand zum Sieger Hunter Mahan: 30 Schläge. Oder anders gesagt: Knapp eine Front 9.

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