Die Absurdität der Sportler des Jahres Wahl

Ende Dezember prämierten die deutschen Sportjournalisten wie in jedem Jahr die besten deutschen Sportler, Sportlerinnen und Mannschaften des Jahres. Oder sollte man besser sagen die beliebtesten Sportler des Jahres? Denn dieser Eindruck drängt sich auf, wenn man sich die Ergebnisse anschaut. Exemplarisch soll hier nur die Wahl der männlichen Sportler dienen, bei der Martin Kaymer trotz Triumphen bei zwei der bedeutendsten Turnieren der European Tour, einem dritten Platz in der europäischen Geldrangliste und einer Verbesserung bis auf Platz 12 der Weltrangliste lediglich einen 9.Platz belegte.

Nun wollen wir nicht so vermessen sein und behaupten, dass der deutschen Vorzeige-Golfer der eigentlich Sportler des Jahres 2009 sei. Mit dem doppelten Schimm-Weltmeister Paul Biedermann hat es sicherlich nicht den Falschen getroffen (wobei man fragen darf, warum Thomas Lurz für die gleiche Leistung deutlich dahinter liegt). Aber einige andere Sportler, die um Kaymer herum platziert sind, werfen schon einige Fragen auf. Da wäre beispielsweise Phillip Lahm, der auf dem vierten Platz landete. Zum einen hat es immer einen faden Beigeschmack, wenn Mannschaftssportler plötzlich bei Einzelsportler-Preisen auftauchen. Zum anderen
wird wohl niemand behaupten, dass der Bayern-Profi 2009 das beste Jahr seiner Karriere hatte. Im Gegenteil: Sowohl bei Bayern München als auch für die Nationalmannschaft war er, beispielsweise im WM-Jahr 2006, schon deutlich dominierender. Doch weder 2006, noch 2007 oder 2008 tauchten Lahm in den Top 10 der Sportler-Wahl auf. Warum also 2009? Ganz einfach: Weil er sich zum Ende des Jahres mit einem kritischen Interview über Trainer van Gaal in die Medienöffentlichkeit katapultierte. Und weil die journalistischen Wähler so oft über ihn geschrieben haben, haben sie seinen Namen einfach auch gleich mit auf den Wahlzettel gesetzt. Das Bizarre dabei: Bei der Wahl zum Fußballer des Jahres belegte Lahm gerade mal Platz 7, weit hinter einem anderen Deutschen, Mario Gomez, der nicht einmal unter den Top 25 bei der Sportler-des-Jahres-Wahl auftauchte. Dennoch haben es zwei weitere Fußballer in die Top 15 geschafft: René Adler und Robert Enke, der ohne die große Anteilnahme über sein tragisches Ablegen vermutlich – wie in den Jahren zuvor – auch nicht so weit oben gelandet wäre.

Auch für die Formel 1 hatten die deutschen Sportjournalisten schon immer eine Schwäche. Natürlich waren Sebastian Vettels Vizeweltmeisterschaft und seine vier Siege eine bemerkenswerte Leistung, aber in keiner anderen Sportart wäre er bei der Sportler-des-Jahres-Wahl auf Platz 2 gelandet. Wie überbewertet die Formel 1 bei diesem Preis ist, zeigt sich auch daran, dass Vettel bereits im Vorjahr auf Platz 5 landete, obwohl er in der gesamten Saison 2008 ein einziges Mal auf dem Treppchen landete – wenn auch ganz oben.

Der Drittplatzierte bei der Wahl, Robert Harting, hat es mit seinem Weltmeistertitel im Diskuswurf sicherlich verdient, weit oben in der Diskussion um den Sportler des Jahres mitzuwirken, dabei aber sicherlich auch von einigen außersportlichen Faktoren profitiert. Da wäre zum Einen die Tatsache, dass die Leichtathletik-WM in Berlin stattgefunden hat und damit ein zentrales Element der deutschen Sportöffentlichkeit 2009 war. Darüber hinaus hat Harting die notorische Schwäche der deutschen Leichtathleten in die Karten gespielt. Gold glänzt nun mal deutlich heller, wenn es keine Konkurrenz hat. Vor allen Dingen aber hat sich Harting mit seinen dümmlichen Kommentaren über die DDR-Dopingopfer und seinem öffentlichkeitswirksamen Maskottchenhebejubel bei den Sportjournalisten eingeprägt. Ob er ohne dies alles auch auf dem Treppchen gelandet wäre? Fraglich.

Die größte Farce ist allerdings der siebte Platz von Skispringer Martin Schmitt. Dessen gefühlter zwölfter Frühling lag in einer Silbermedaille von der Großschanze bei der Nordischen Ski-WM. Respektabel, doch wenn diese Konkurrenz nach einem Durchgang abgebrochen wird und eher Zufallsgewinner zu Tage brachte, bekommt dieser Erfolg doch einen Beigeschmack. Besonders, da Schmitt seit 2002 keinen einzigen Weltcup-Sieg mehr hatte und die von Schmitt angeführte deutsche Mannschaft bei der selben Ski-WM einen peinlichen zehnten Platz belegte. Offensichtlich reicht ein lila Schokoladenhelm aus, um die Sportjournaille davon zu überzeugen, dass die eigenen Leistungen besser erscheinen, als sie waren.

Martin Kaymer hingegen hat ein ganzes Jahr lang seine Sportart mit dominiert, sich bei seinen zwei Siegen gegen mehr Konkurrenten durchsetzen müssen als jeder andere Sportler, sich nach einer unfreiwilligen Verletzungspause gleich mit einem zweiten Platz beeindruckend zurückgemeldet und die gesamte Saison einer ultra-konkurrenzfähigen Sportart auf Platz 3 beendet. Und das soll am Ende nur die neuntbeste Leistung des Jahres gewesen sein? Würde die Sportler des Jahres Wahl wirklich nach sportlichen Kriterin durchgeführt, hätte Kaymer mindestens einen Platz 5 verdient gehabt. Aber weil sein Doppelsieg gerade einmal für fünf Sekunden in der Tagesschau und auf den Sportseiten nur unter ferner liefen Erwähnung fand, wird er ignoriert. Was die „Fachpresse“ nicht versteht, ist, dass ein Sieg bei einem Golfturnier mit 150 Teilnehmern nahezu vergleichbar zu einem Europa- oder Weltmeistertitel ist. Und ein Doppelsieg bei zwei der bedeutendsten Turnieren der European Tour ist im Grunde so selten und besonders wie ein Olympiasieg. Doch offensichtlich muss man als Golfer ja seine Ehefrau betrügen um von der deutschen Sportpresse wahrgenommen zu werden.

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