Die größten Ryder Cups: 1991 (Die USA erklären den Krieg!)

Datum: 27. bis 29. September 1991
Austragungsort: The Ocean Course, Kiawah Island, USA
Spielform: 8 Foursomes, 8 Fourballs, 12 Einzel
Team USA: Paul Azinger
Chip Beck
Mark Calcavecchia
Fred Couples
Ray Floyd
Hale Irwin
Wayne Levi
Mark O’Meara
Steve Pate
Corey Pavin
Payne Stewart
Lanny Wadkins
Team Europa: Seve Ballesteros
Paul Broadhurst
Nick Faldo
David Feherty
David Gilford
Mark James
Bernhard Langer
Colin Montgomerie
Jose Maria Olazabal
Steven Richardson
Sam Torrance
Ian Woosnam
Ergebnis: 14,5 : 13,5 für die USA

Der Ryder Cup 1991 war eines der schmutzigsten, unangenehmsten und fehlgeleitetsten Duelle in der Geschichte des Kontinentalvergleichs. Es war aber auch der Ryder Cup, der ihn zu dem Großereignis machte, das er heute ist. Es wurde alles geboten: Skandale, Betrugsvorwürfe, politische Statements und vor allem Spannung bis zum allerletzten Putt. Alles nahm seinen Anfang zwei Jahre zuvor, als die Europäer durch ein Unentschieden zum dritten Mal in Folge den Cup verteidigten. Das Match zwischen Seve Ballesteros und Paul Azinger wurde intensiv und mit allen (semi-)legalen Mitteln geführt. Zwischenzeitig musste man sogar fürchten, dass es zu körperlichen Auseinandersetzungen zwischen ihnen kommt.

Und wie so oft im Sport bewies der Herr dort oben einen Sinn für Ironie. Am ersten Tag mussten die beiden Streithähne gleich zwei Mal gegeneinander antreten. Und sie ließen sich nicht viel Zeit. Mit allen möglichen Spitzfindigkeiten versuchten sie den Gegner mürbe zu machen. Azinger bezichtigte Ballesteros seine Drops an falschen Stellen auszuführen, Ballesteros zeigte Azinger an weil die Amerikaner illegal einen Ball austauschten. Resultat des Ganzen waren zwei 2&1-Siege der Europäer – und ein legendär gewordenes Zitat von Seve: „Das amerikanische Team hat elf nette Kerle. Und Paul Azinger“.

Doch viel mehr brachten die Europäer am ersten Tag nicht zustande. Ein Sieg und ein Unentschieden sprangen aus den anderen sechs Begegnungen heraus, und die Amerikaner hatten nach dem ersten Tag mit einem Punkt die Nase vorn. Der zweite Tag schien noch schlechter zu enden. Wieder waren es Ballesteros und Olazabal, die die europäischen Fahnen hoch hielten und den einzigen Punkt in den morgendlichen Fourballs sammelten. Doch dann ging der Krieg erst richtig los. Die amerikanischen Fans hatten schon früh dem ganzen Duell eine martiale Note gegeben. Unter dem Motto „Weckt den Feind auf“, rief ein DJ seine Hörer dazu auf, die Europäer aus dem Schlaf zu klingeln – und die hörten auch noch darauf. Als am zweiten Tag schließlich Steve Pate und Corey Pavin mit Mützen im Tarnkappen-Look aufliefen, hatten die Europäer genug. Die offene Kriegserklärung bewirkte das Gegenteil. Die Europäer rauften sich zusammen und holten am Nachmittag 3,5 der möglichen 4 Punkte. So ging es also unentschieden in die Einzel.

Die fanden nur zu elft statt, weil Steve Pate aufgrund einer Verletzung nicht mehr antreten konnte, weshalb David Gilford auf europäischer Seite aussitzen musste. Seinen hatte Kapitän Bernard Gallacher für den Fall einer Verletzung in den berüchtigten Umschlag getan. Die Europäer übernahmen schnell die Kontrolle. Nick Faldo und David Feherty, heute als Kommentatoren auf den Golfplätzen dieser Welt unterwegs, gewannen ihre Einzel, und Colin Montgomerie vollführte ein kleines Wunder. Drei Schläge zurück bei drei zu spielenden Löchern, holte er noch ein Unentschieden heraus. Wobei es weniger sein Verdienst war, als ein totaler Zusammenbruch seines Gegners Mark Calcavecchia.

Von den ausstehenden acht Spielen bekam Calcavecchia nicht viel mit. Er saß eine Stunde lang wie ein begossener Pudel in der Ecke und weinte jämmerlich weil er sein Team im Stich und vermutlich den Ryder Cup verloren hatte. Spätestens jetzt wurde dem Letzten klar welch eine Bedeutung der Ryder Cup mittlerweile bekommen hatte. Doch seine Teamkameraden ließen Calcavecchia nicht im Stich. Zwar konnten sie Ballesteros nicht zügeln, der damit 4,5 der möglichen 5 Punkte holte. Aber einer nach dem anderen kam mit einem Sieg im Clubhaus. Bis nur noch Hale Irwin und Bernhard Langer auf dem Platz unterwegs waren. Beide gingen geteilt auf die letzte Bahn. Es stand 14:13 für die USA. Gewinnt Langer das Loch, bleibt der Pokal für zwei weitere Jahre in europäischen Händen. Irwin reichte ein Unentschieden für einen US-Sieg. Was dann folgte, illustriert perfekt die Spannung und den Druck, der auf den Spielern liegt. Worte können dem nicht gerecht werden, daher hier die entscheidenden Minuten in bewegten Bildern:

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