Die Ryder-Cup-Zeugnisse für den zweiten Tag

Auch am zweiten Tag lief es für die Europäer nicht besser. Und wenn sie nicht Ian Poulter gehabt hätten, wäre der Ryder Cup schon vor den Einzeln entschieden gewesen. So gibt es beim Team von Olazábal vielleicht noch eine kleine Hoffnung auf ein europäisches Brookline, als die Amerikaner genau diesen Rückstand noch drehen konnten. Es ist die einzige Hoffnund für den Spanier dessen Kapitänsschaft ansonsten in den Medien ähnlich unter Beschuss geraten wird wie die von Nick Faldo vor vier Jahren.

Ian Poulter
8 Birdies im Fourball, fünf davon in Folge zum wichtigsten Zeitpunkt am Ende des Matches. Ein gewonnener Punkt im Foursome. Und er holte Rory McIlroy zurück aus seiner Lethargie. Warum noch mal durfte Lee Westwood gestern statt Ian Poulter ran? Note: 1++

Phil Mickelson
Davis Love III wollte dem alten Mann am Nachmittag eine Pause geben. Völlig unnötig, denn Mickelson arbeitete morgens ja nur 12 Loch. 6 unter Par spielten er und Keegan Bradley auf diesen wenigen Bahnen – ein irres Resultat für einen Foursome. Dabei war Mickelson mit dem Driver zwar wieder unberechenbar, aber was er dann im kurzen Spiel zeigte war vom anderen Stern. Hinzu kamen noch einige unfassbare Schläge ins Grün. Note: 1

Matt Kuchar
Wer hätte gedacht, dass im Fourball mit Dustin Johnson ausgerechnet Kuchar zum Star avanciert. Satte fünf Birdies steuerte er zum Ergebnis bei, lochte dabei wie schon am Freitag extrem viele Putts (drei davon länger als fünf Meter) und erlaubte sich eigentlich nur einen Ausrutscher an der 16 als sein Drive erst glücklich abgefälscht wurde und er danach dennoch einen Baumstamm mittig aufs Korn nahm und von 30 Meter weiter hinten weiter spielen musste. Note: 2+

Keegan Bradley
Man mag von Bradleys Gehabe halten was man will, aber Fakt ist, dass der junge Mann das seit Jahren größte Problem der Amerikaner gelöst hat: er hat Phil Mickelson motiviert. Zwar brauchte er ein wenig um in das heutige Match zu kommen und verzog seine Drives, aber er hatte ja einen Partner, der gewohnt ist aus der größten Scheiße zu spielen. Als schließlich an der 9 sein erster wichtiger Putt fiel, legte Bradley noch einmal einen kleinen Zahn zu und spielte wieder exzellent. Note: 2

Jason Dufner
In beiden Sessions mit Zach Johnson war Dufner der Leistungsträger. Er machte keinen Fehler im Foursome, verwandelte sicher seine Putts und bewies dabei nach außen eine solche Abgeklärtheit und Gleichgültigkeit als könnte ihm nichts etwas anhaben. Vier Birdies steuerte er im Fourball bei – eines davon sogar unter der größten Drucksituation an Loch 18. Unglücklicherweise für ihn konnte Poulter dieses kontern. Note: 2

Webb Simpson
Das was Nicolas Colsaerts in den Freitags-Fourballs war, war Webb Simpson einen Tag später. Egal wann er im Bild war, immer lochte der U.S.-Open-Champion einen Putt – egal wie lang. 7 Birdies auf 13 Löcher waren eine deutliche Ansage, da verkam selbst Bubba Watson zum staunenden Zuschauer. Es war etwas verwunderlich, denn im Foursome puttete Simpson noch völlig neben der Spur und vergab passenderweise auch den entscheidenden Putt an der 18. Und auch im langen Spiel zeigte Simpson dort Schwächen beispielsweise an der 12 und 13. Note: 2-

Nicolas Colsaerts
Mr. Horseshoe sollte man den Belgier langsam nennen. Es ist schlicht unfassbar wieviel Pech der Rookie beim Putten hat. Dass er an seine Sensationsrunde vom Freitag nicht anschließen konnte und im Fourball „nur“ drei Birdies erzielte, lag einzig daran, dass die Putts immer wieder aus dem Loch heraussprangen. Dennoch hat sich Colsaerts auch am zweiten Tag als absoluter Leistungsträger der Europäer etabliert. Einziger Wehrmutstrofen seiner Bilanz: sein Wasserschlag an der 17 im Foursome, der Europe das Match kostete. Note: 2-

Rory McIlroy
Insgesamt nur vier Birdies – zwei im Foursome und zwei im Fourball – kamen am Samstag mit Beteiligung des Weltranglisten-Ersten. Im Foursome zeigte McIlroy ein mehr als solides Spiel, gewann die 14 mit einer erstklassigen Annäherung und bombte einen Drive nach dem anderen ins Fairway. Dass am Ende das Match verloren ging, lag daran, dass bis zu der 16 nichts bei ihm fiel. Im Fourball dagegen hielt sich McIlroy bei der Ian-Poulter-Show zurück. Aber sein emotionales Birdie an der 13 legte bei McIlroy und Poulter einen Schalter um und startete ein sensationelles Finish. Note: 2-

Brandt Snedeker
Erneut setzte Love III die Birdie-Maschine Snedeker nur im Foursome ein, aber auch hier rechtfertigte er erneut seinen Captain’s Pick. Gewohnt sicher auf den Grüns zeigt er gerade zu Beginn des Matches ein erstklassiges Eisenspiel, und der Angst-Drive an der 18 landete dieses Mal wenigstens im Fairwaybunker statt in der Wildnis, so dass das Match gewonnen werden konnte. Note: 3+

Bubba Watson
Dass Bubba und Webb sich so gut ergänzen liegt daran, dass sie offensichtlich exzellent mit dem Druck zurecht kommen und sich kaum gleichzeitig Schwächen erlauben. Im Foursome schulterte Bubba einen Großteil der Last und sorgte dafür, dass Poulter und Rose bis zur letzten Sekunden schwitzen mussten. Im Fourball hingegen ließ er Simpson den Vortritt, war aber immer zur Stelle als er gebraucht wurde. So als Simpson einen seiner wenigen Putts an der 7 vergab oder an der 14 seinen zweiten Schlag in die Zuschauer verzog. Note: 3+

Zach Johnson
Am Samstag blieb der Putter von Zach Johnson weitestgehend kalt. Im Foursome konnte er kaum einen Ball zum Fallen bringen und auch im Fourball steuerte er nur zwei gezählte Birdies bei. Aber auch er bewies Nervenstärke, lochte einen wichtigen Putt an der 17 um das Match zu verlängern und hatte an der 18 ebenfalls eine gute Birdie-Chance wo er Dufner den Vortritt ließ. Note: 3

Tiger Woods
Zum ersten Mal in seiner Karriere musste Tiger Woods bei einem Vierer den Zuschauer geben. Davis Love III hatte zwar angekündigt niemanden fünf Mal einsetzen zu wollen, aber wenn Woods annähernd Normalform gezeigt hätte, wäre dies vermutlich nicht der Fall gewesen. So durfte der Weltranglisten-Zweite dieses Mal nur im Fourball ran und es war fast ein Spiegelbild der Leistung vom Vortag – bis hin zum Abschlag an der 17. Nach hundsmiserablen Start konnte er noch fünf Birdies auf den Back Nine erzielen und brachte sein Team damit wieder ins Spiel. Aber wie am Freitag legte er den Schalter zu spät um und hat noch immer nicht einen Punkt geholt. Note: 3

Sergio Garcia
Der Foursome mit Colsaerts verlief für den Spanier nicht nach Plan. 1 über Par ist einfach kein gutes Resultat – auch weil Garcia an der 12 mit mehreren schlechten Schlägen ein Doppelbogey verursachte, konnte dafür aber auch an der 16 einen wichtigen Chip lochen. Doch einen Punkt hatte er damit auch weiterhin noch nicht eingefahren. Diesen Makel konnte er im Fourball mit Luke Donald beenden zu dem Garcia allerdings nur drei der acht Birdies beisteuerte – allesamt auf den ersten fünf Löchern. Damit brachte er die Europäer auf das Leaderboard und er und Donald konnten auf Verteidigung spielen. Note: 3

Jim Furyk
Ein heißer Putter rettete ein wenig die Runde für Furyk, der diverse Male seinen Abschlag verzog und Snedeker zum Improvisieren zwang. Doch mit seinem Schlag an der 18 aus dem Fairwaybunker machte er dies alles wieder wett. Note: 3

Francesco Molinari
Obwohl der Italiener auch nur drei Birdies spielte, zählte er damit schon im Fourball zu den europäischen Leistungsträgern. Der Grund lag natürlich am putten, denn auch wenn Molinari jr. zu Beginn ein wenig zitterte, versenkte er einige wichtige Putts wie an der 11 als er ebenso emotional regaierte wie ein Loch später als sein Chip an der Lochkante hängen blieb. Note: 3

Luke Donald
Als Tiger Woods im Fourball heiß lief war Luke Donald gefragt. Und der ehemalige Weltranglistenerste antwortete. Drei Birdie auf den letzten fünf Löchern gelang Donald – und keines war wichtiger als das auf der 17 als Woods seinen Ball tot an den Stock nagelte und es aussah als sollten die Amerikaner erstmals im Match den Ausgleich schaffen. Doch Donald platzierte seinen Ball noch innerhalb von Woods und sicherte so den Sieg. Dieser Punkt für das Selbstbewusstsein war auch extrem wichtig für Donald, der im Foursome mit Westwood eine üble Klatsche kassierte und daran auch nicht ganz unschuldig war. Vergebene Puttchancen an der 1 und der 6, ein schwaches Wedge an der 7, ein mieser Lay-Up an der 10 und schließlich ein verschobene 1,50-Meter-Putt der das Match beendete. Note: 3

Steve Stricker
Seinen Wasserschlag an der 2 machte der Routinier mit einem grandiosen Eagle an der 5 wieder wett. Danach nahm er sich wieder ein wenig zurück als Tiger aufdrehte (hielt dabei aber dieses Mal den Ball im Spiel), doch am Ende verschob er den entscheidenden Putt an der 18 weil er ihn zu aggressiv spielte und brachte den Europäern damit eventuell wieder etwas Momentum zurück. Note: 3

Dustin Johnson
Auch wenn die Amerikaner seinen Birdie-Putt an der 17, der den Fourball entschied, wieder und wieder zeigen werden, sollte dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass Johnsons Leistung eher mäßig war. Denn dass der Putt an der 17 überhaupt nötig war, lag unter anderem daran, dass der Longhitter die 16 komplett verbockte. Dass er in einem Match, das über die volle Distanz ging, am Ende gerade einmal zwei Birdies beisteuerte, muss man schon als kleine Enttäuschung werten. Note: 3-

Justin Rose
Ein ums andere Mal lippten seine Putts aus, so auch am finalen Loch seines Fourballs. Resultat war ein mickriges Birdie auf der Scorekarte. Warum Olazábal dabei zum zweiten Mal das Erfolgsduo Poulter/Rose auseinanderriss ist leider ein weiteres Rätsel über die europäische Aufstellung. Denn ohne den emotionalen Katalysator Poults läuft es bei Rose nicht so Recht. Im Foursome an seiner Seiten drehte Rose hingegen auf, schlug an der 1 gleich aus dem Bunker tot an den Stock und legte an der 11 noch einmal ein brillantes Eisen nach. Allerdings hätte er durch Fehler an der 16 und 17 fast noch das Match aus der Hand gegeben. Note: 4+

Graeme McDowell
G-Mac und Rory McIlroy sollten in den Vierern das Rückgrat der Europäer bilden, doch daraus wurde nichts. Die Schuld dafür sah zumindest Olazábal anscheinend bei McDowell dem er am Nachmittag eine Denkpause verpasste. Zwar spielte der Ex-U.S.-Open-Sieger besser als im Fourball gestern, aber die bleibende Erinnerung an den Foursome wird bleiben wie er an der 18 aus perfekter Ausgangsposition das Grün verfehlte und die letzte Chance auf ein geteiltes Match vergab. Note: 4

Paul Lawrie
Erneut setzte Olazábal den grundsoliden Lawrie nicht im Foursome sondern im Fourball ein. Und erneut brachte er nicht die erforferlichen Birdies ein. Bis zu 15 dauerte es bis das erste fiel. Davor vergab der Schotte etliche Birdie-Chancen wie an der 1 als er aus zwei Metern verzog. Das merkten auch die Amerikaner und trieben Lawrie auf die Palme weil sie ihm selbst Gimme-Putts fast nicht mehr schenkten. Leider bestätigte Lawrie sie indem er an der 11 einen noch kürzeren Putt vergab und an der 12 gleich einen weiteren hinterhersetzte. Note: 4

Lee Westwood
Dass Olazábal dem schlechtesten Europäer des Vortags noch einmal eine Chance gab – dazu noch im anspruchsvolleren Foursome war ein enormes Risiko. Und dieser Versuch ging so sehr nach hinten los, dass der Spanier dafür noch sehr viel Feuer wegen seiner Aufstellungen kassieren wird. Gleich am zweiten Loch kellte der Engländer den Ball ins Wasser. Immerhin versenkte er an der 5 dann vielleicht seinen ersten echten Putt des diesjährigen Cups. Dass die Niederlage am Ende so hoch ausfiel lag zwar mehr an den Gegnern, da Westwood keine gravierenden Fehler mehr machte. Doch er erarbeitete seinem Team auch kaum echte Birdiechancen. Note: 4-

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