Die Schattenseite des FedEx-Cups

Bereits vor der Tour-Championship kann man festhalten, dass die Playoffs um den FedEx-Cup ein voller Erfolg sind: Rory McIlroy hat sich mit zwei Siegen endgültig als der neue König am Golfhimmel etabliert, Phil Mickelson und Lee Westwood haben sich aus einem tiefen Loch zurückgegraben, Tiger Woods hatte zwar nie eine Siegchance war aber immer im Vorderfeld dabei. Kurz: es war für Golf-Fans wie für Sponsoren und die TV-Stationen ein absolutes Traum-Szenario. Entsprechend mehren sich die Jubel-Stimmen für das von PGA-Tour-Commissioner Tim Finchem geschaffene Lebenswerk, beispielsweise von Golf-Digest-Autor Ron Sirak, der alle Einwände mit einem Satz wegwischt: “OK, vielleicht verstehen viele Fans das Punktesystem und den Reset nicht ganz, aber Scheiß drauf.”

Diese Argumentation hat nur einen Haken: Sie basiert auf der Annahme, dass sich Weltklasse-Teilnehmerfelder und hochklassiges Golf auf der einen sowie ein verständliches System auf der anderen Seite ausschließen. Eine Interpretation, die nicht ferner von der Realität entfernt sein könnte. Denn was ist denn der Anreiz für die Spieler, dass sie an den FedEx-Cup-Playoffs teilnehmen? Doch nicht etwa die 2500 FedEx-Punkte, die es für einen Sieg bei den Playoff-Turnieren gibt. Es geht einzig allein um die 1 mit sieben Nullen, die am Ende auf den Sieger wartet. Und seien wir mal ehrlich: Wenn ein Preisgeld von 10 Millionen Dollar wartet, ist es den Spielern letztendlich egal nach welchem System sie vergeben werden – sie würden sicher auch daran teilnehmen wenn die ersten drei der Tour Championship am Ende den Jackpot auf dem Übungsgrün ausputten würden.

Who’s on First?

Es gibt also kein Risiko wenn man ein nachvollziehbares System entwickeln würde – Vorschläge gibt es zu Genüge. Und eines kann man sich ohnehin von vornherein abschminken: Der FedEx-Cup wird nie ein echtes Playoff werden (man stelle sich die Panik der TV-Sender vor wenn Tiger Woods, Phil Mickelson und Rory McIlroy in der ersten Runde fliegen) und er wird auch nie mehr den besten Spieler des Jahres küren – schließlich könnte sonst ja schon alles vor dem Finale entschieden sein. Doch irgendwo muss es einen Mittelweg geben. Denn man stelle sich einmal die Reaktion von Fans und Experten am Sonntag vor, wenn der Computer am Ende Scott Piercy als Fed-Ex-Cup-Sieger auswirft oder McIlroy trotz zwei Playoff-Siegen und einem zweiten Platz bei der Tour Championship die Krönung verweigert wird.

Dabei haben wir Zuschauer es sogar noch leicht mit dem Verständis dieses unverständlichen Systems. Schließlich übernimmt für uns ein Computer das Rechnen und blendet sekundengenau die aktuellen Platzierungen mit grünen und roten Ziffern ein, während die TV-Reporter uns prophetisch die Konsequenzen von einem Birdie oder einem Bogey vorrechnen. Doch diesen Luxus haben die Spieler nicht. Sie wissen nicht zu jedem Zeitpunkt wie sie stehen oder was eintreten muss, um zu gewinnen. Selbst ein ehemaliger Gewinner wie Jim Furyk hat “keine Ahnung” wie er gegenüber Reuters gestand. Vielleicht packt sich ja sein Caddie die seitenlangen Szenarien für jeden Spieler ins Bag, die die PGA Tour aufgestellt hat.

Doch wer am Ende gewinnt ist das kleinste Problem des FedEx-Cups. Schließlich dürften alle Teilnehmer an der Tour Championship finanziell halbwegs ausgesorgt haben, und ob nun Rory McIlroy, Tiger Woods oder Louis Oosthuizen am Ende die 10 Millionen Dollar mit nach Hause nehmen, ist letztlich egal – außer vielleicht für die Steuerbeamten ihres Heimatlandes. Denn das große Dilemma des FedEx-Cups ist nicht etwa wer an diesem Sonntag gewinnt: es ist wer sich für dieses Turnier qualifiziert hat.

Mit großer Macht folgt große Verantwortung

Im Grunde genommen sind alle Teilnehmer der Tour Championship Gewinner. Sie sichern sich mit ihrer Qualifikation nicht nur ein ordentliches Preisgeld: sie sind automatisch auch für das Masters, die Open Championship, die U.S. Open und die Cadillac Championship qualifiziert. Und hier kommen wir zu dem großen Haken. Denn die Qualifikation für die Major-Turniere sollte eigentlich eine Belohnung für die besten Spieler der Saison sein – so war es zumindest vor der Einführung des FedEx-Cups. Nun ist sie eine Belohnung dafür, dass jemand in drei Wochen zufällig einen guten Lauf hatte, weil die Playoff-Turniere überproportional hoch bewertet werden. Beispiele gefällig? Graeme McDowell liegt vor der Tour Championship in der Geldrangliste für das Jahr 2012 auf dem 28. Platz, hatte zwei Top-5-Ergebnisse bei Majors und landete bei den anderen beiden in den Top 12. Doch weil er die drei Playoff-Turniere vergeigte, findet er sich in der FedEx-Cup-Wertung nur auf Platz 41 wieder. An seiner Stelle dabei: John Senden, der in der Geldrangliste um 620.000 Dollar (!) schlechter liegt als McDowell.

Die Konsequenzen sind in diesem Fall minimal weil McDowell aufgrund seines U.S.-Open-Erfolgs 2010 und seiner Weltranglistenposition ohnehin alle Starts bei den großen Turnieren zustehen. Interessanter ist da schon der Fall Ben Curtis. Außerhalb der Top 50 in der Weltrangliste platziert und die Exemptions für seinen Open-Sieg 2003 bereits aufgebraucht, hat der 35-Jährige keine automatische Startgarantie mehr bei den Majors und World Golf Championships. In diesem Jahr hatte er jedoch ein kleines Revival: erst gewann er die Texas Open, dann wurde er Fünfter bei der Wells Fargo Championship und schließlich belegte er bei der Players Championship den zweiten Platz. Resultat: Mit 2,4 Millionen Dollar erspieltem Preisgeld belegt er in der offiziellen Geldrangliste Platz 27. In der FedEx-Cup-Wertung belegt er nur Platz 41. Und obwohl Ryan Moore in dieser Saison sage und schreibe 830.000 Dollar weniger verdiente als Curtis, hat er 2013 ein Startrecht bei der U.S. Open und der Cadillac Championship und Ben Curtis nicht.

Am Horizont droht noch mehr Unheil

Wer meint, dass dies ja keine grundliegenden Konsequenzen hat, schaue sich einfach einmal an was Graeme McDowell aus einer kleinen Chance machte. 2009 kam der Nordire lediglich als Nachrücker für Tiger Woods ins Mini-Feld der Chevron World Challenge, ein Event für das es absurderweise Weltranglisten-Punkte gibt. Sein zweiter Platz katapultierte ihn kurz vor Ultimo noch in die Top 50 der Welt und verschaffte ihm so überhaupt erst einen Startplatz bei den Majors – und indirekt die Möglichkeit neun Monate später die U.S. Open Trophäe in die Höhe zu stemmen. Man sieht also: von solchen Kleinigkeiten hängen Existenzen ab – insbesondere wenn die PGA Tour ihre Pläne für die Zukunft umsetzt.

Denn ab 2013 sollen nicht nur die Major-Startplätze nach FedEx-Cup-Punkten vergeben werden, auch die Tourkarten für die darauffolgende Saison. Die Auswirkungen sind dabei nicht so fatal, da der Schnitt ja gezogen wird bevor die Playoff-Events die Ergebnisse verzerren. Dennoch gäbe es auch 2012 drei Spieler, die um ihre Zukunft bangen müssten wenn nach Punkten abgerechnet wird. (dass zwei von ihnen ohnehin spielberechtigt sind, ist ein glücklicher Zufalle für die PGA Tour den man nicht als gegeben annehmen kann).

Jhonattan Vegas hat zwar 160.000 Dollar mehr verdient als für den Erhalt der Tourkarte nötig ist, nach FedEx-Punkten wäre er aber ebenso draußen wie Brandon Steele, der in der Geldrangliste auch noch 130.000 Dollar vor Platz 126 liegt. Und das nachdem einige hinter ihnen platzierte Spieler in den Playoffs noch Chancen hatten richtig Geld zu verdienen – beispielsweise lagen Graeme DeLaet und David Hearn vor Beginn der Barclays noch hinter Jhonattan Vegas in der Geldrangliste.

Selbst die, was ihren heiligen FedEx-Cup betrifft, sehr dickköpfige PGA Tour hat dieses Problem erkannt. Mitte September gab man bekannt, dass Spieler, die die FedEx-Cup-Playoffs verpassen aber in der Geldrangliste in den Top 125 liegen 2013 noch einmal ihre Karte behalten werden. Ob man dies verlängert oder ab 2014 endgültig FedEx-Punkte zur ultimativen Währung im US-Profigolf macht, ist noch nicht entschieden. Dass man sich jedoch überhaupt Gedanken darüber machen muss, zeigt deutlich die Defizite des Systems.

Der FedEx-Cup mag dafür taugen um den Golfsport in einer Zeit, in der die Aufmerksamkeit der USA auf den Start der NFL-Saison und die letzten Meter der regulären Baseball-Saison gerichtet ist, nicht komplett untergehen zu lassen. Aber wenn diese Konstruktion dann die Ergebnisse eines ganzen Jahres über den Haufen wirft und dadurch Spieler, die sich mit ihrer Leistung gewisse Belohnungen (Major-Startplätze, Tourkarte) verdient haben, derer beraubt werden, sollte man dies vielleicht noch einmal überdenken. Besonders da 2013 die Saison mit der Tour Championship zu Ende geht und kein Spieler die Chance hat in der Fall Series wieder gerade zu richten, was der FedEx-Cup verzerrt hat.

4 Comments

  • Norman sagt:

    Auf der anderen Seite wird derjenige Clubmeister, der am ersten Wochenende im September das beste Golf spielt. Wenn ein anderer bis dahin alle Monatstassen und -teller gewonnen hat, bringt ihn das auch nicht auf die goldene Wand im Clubhaus. Natürlich kann man immer ein gerechteres Szenario finden, aber wenn die Bosse der Meinung sind, dass die Pros im September ihr bestes Golf zeigen sollen, dann wollen Sie doch nur uns Amatueren zeigen, dass sie gar nicht so weit weg sind von uns… :-)
    Ich habe jedenfalls meine Spielberechtigung für unseren 9-Loch-Platz verlängert bekommen! :-)

    Vielen Dank für die schönen Artikel!

  • Linksgolfer sagt:

    Das stimmt schon, aber um im Bild Clubmeisterschaft zu bleiben: Das ist ein wenig so als würde bei der Clubmeisterschaft, einem Brutto-Spiel, jeder der schlechter als 30. Netto wird im nächsten Jahr ausgeschlossen

  • Sense sagt:

    Hab ich das jett richtig verstanden, dass die Fall Series total unwichtig ist? oder ab 2013?

  • Linksgolfer sagt:

    Dieses Jahr ist sie noch normal wie früher. 2013 ist die Saison verkürzt. Sie beginnt in Hawaii und endet mit der Tour Championship. Die Fall Series 2013 ist dann der Auftakt zur Saison 2013/2014 mit FedEx-Punkten und allem drum und dran

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