Gesprengte Ketten

Wer gegen Greenfee Golf spielen will, braucht für gewöhnlich nur die Mitgliedskarte seines Golfclubs und anständige Kleidung. Nicht so in Angola, Louisiana. Hier muss man vor der Runde ein polizeiliches Führungszeugnis hinterlegen, einen gültigen Ausweis vorzeigen und darf nicht einmal eine Kamera mitnehmen. Warum, erklärt der Name des Golfplatzes: Prison View Golf Course.

Der 9-Loch-Platz liegt auf dem Gelände des größten Hochsicherheitsgefängnisses der USA, weit und breit nur als Angola bekannt. 2001 wurde der Gefängnis-Zahnarzt mit dem Layout der Anlage beauftragt. John Ory zog in den nächsten Buchladen, kaufte sich einschlägige Werke zur Golf-Architektur und legte los. Aufgrund des begrenzten Platzangebots konzipierte er einen Kurs, der sich dank verschiedener Tees auf den Front- und Back-Nine komplett unterschiedlich spielt und so einen abwechslungsreichen Kurs von gut 6000 Yards Länge bietet. Läppische 10 US-Dollar kostet die Runde auf dem 2003 eröffneten Platz, dennoch verlaufen sich im Jahr allenfalls 300 Greenfee-Spieler nach Angola -meistens Angestellte des Knasts und ihre Verwandten.

Finanziert wurde der rund 80.000 Dollar teure Kurs aus dem Freizeit-Budget der Angestellten, schließlich hatte man die billigsten Arbeitskräfte zur Hand: die Insassen. Mit bloßen Händen erstellten sie Fairways, Grüns, einen Topfbunker, einen Teich von enormen Ausmaßen und gar ein Inselgrün. Spielen dürfen die meist lebenslänglich Verurteilten zwar nicht, doch wer sich besondere Privilegien verdient hat, darf sich als Greenkeeper verdingen. Aber auch alle anderen Sträflinge sind auf einer Golfrunde in Angola präsent. Einige der Löcher verlaufen so nah an den Sicherheitszäunen, dass man die Insassen sehen und hören kann.

Noch vor wenigen Jahren war Angola als blutigstes Gefängnis Amerikas verschrien, heute gilt es dank Resozialisierungsprogrammen wie den Bau des Golfkurses als eines der fortschrittlichsten. Sogar die Häftlinge, die dem Projekt anfangs skeptisch gegenüber standen, haben sich mittlerweile mit dem Prisonview Golf Course angefreundet, dessen Abschläge selbstironisch mit Handschellen markiert sind. Sogar eine Driving Range gibt es – und einen Head-Pro. Trampus Butler ist im Hauptberuf Justizbeamter und hält den Platzrekord mit 64 Schlägen. „Unter Zeugen“, wie er in Interviews gerne behauptet. Wer würde dies anzweifeln?

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