Götz Schmiedehausen: Golf oder Gar nichts

DISCLAIMER: Mir wurde vom Verlag ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt

„Eier, wir brauchen Eier“, lamentierte Oliver Kahn 2003. Vielleicht hätte er einfach mal auf die Tribüne schauen sollen. Denn offenbar hat kaum einer so dicke Eier wie Hardcore-Bayern-München-Fan Götz Schmiedehausen, der im Vorwort zu seinem ersten Buch Golf oder Gar nichts dem Leser ganz unbescheiden verspricht das coolste Golfbuch aller Zeiten in den Händen zu halten. Um es vorweg zu nehmen: Das ist es natürlich nicht. Die literarischen Ergüsse von David Feherty oder Rich Beem und Sports Illustrateds „The Golf Book“ haben in dieser Diskussion sicher ein Wörtchen mitzureden. Aber „Golf oder Gar nichts“ ist dennoch ein sehr unterhaltsamer 220-Seiter.

Konzipiert als Handbuch für Neugolfer, die der ehemalige „Golf Punk“-Chef vor den Fallstricken bewahren will in die er selber getappt ist, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die avisierte Zielgruppe nicht die ist, der das Buch am meisten gefällt. Denn seien wir doch mal ehrlich: Zu lesen welche grusligen Typen einen im Golfclub erwarten, welche modischen Verfehlungen es gibt oder was die nervigsten Tischgespräche im Golfclub sind, macht doch deutlich mehr Spaß wenn man das alles schon selber erlebt hat (oder sich selbst sogar ertappt fühlt).

Wie es sich für einen Golfbesessenen gehört, hat der Autor das Buch natürlich in 18 Kapitel Löcher eingeteilt und ihnen sogar noch einen Par-Wert zugeteilt. Zusammengerechnet ergibt er erstaunlicherweise nur 71, doch einen berühmten Platz kann man daraus leider nicht zusammenstellen. Das wäre immerhin ein schöner Gimmick für Insider gewesen – so fragt man sich dann doch ein wenig nach den Beweggründen, da die Par-Angabe auch nicht mit der Länge der Kapitel in Zusammenhang steht. Deren Vergleich zeigt dann auch deutlich das Steckenpferd des Autors: Golf-Equipment. Der Materialschlacht widmet Schmiedehausen gleich 28 Seiten in denen der bekennende Fitting-Fetischist durchaus nützliche Einsteiger-Tipps gibt (so lange diese Rechtshänder sind, denn aus eigener schmerzhafter Erfahrung muss ich sagen, dass man als Linkshänder oft an Blindkäufen nicht vorbeikommt, da kaum ein Verkäufer/Händler/Messestand auf unsere Spezies eingestellt ist).

Zwischen den 18 großen Kapiteln, die auf Amateure ausgerichtet sind, finden sich dann noch mal 18 Ausflüge in Richtung Profisport. Auf jeweils einer Doppelseite gibt es dabei Kurzvorstellungen der wichtigsten Golfturniere (die vier Majors und der Ryder Cup) sowie ihrer größten Protagonisten – von Bobby Jones bis Martin Kaymer. Das macht das Buch zu einem netten Helfer um bei Golfgesprächen mit fachsimpeln zu können – auch wenn sich darin einige Flüchtigkeitsfehler verbergen. So sitzt das Masters-Kapitel der Urban Legend auf, Tickets würden durch die Generationen vererbt; John Dalys 18 ist nicht der höchste Score eines Profigolfers; Und Tiger Woods‘ angeblich mit 55.000 Dollar die Stunde dotierter Nike-Vertrag ergäbe ein absurdes Jahresgehalt von fast 500 Millionen Dollar.

Positiv fällt die durch knapp 300 Farbfotos unterstützte Gestaltung des Werkes auf, das als Hardcoverbuch daherkommt, aber tatsächlich ein weiches Cover hat. Dennoch wäre ein Schutzumschlag praktisch gewesen, denn bei solch großformatigen Büchern, die man nur geschlossen auf den Tisch legen kann, wünscht man sich doch dann und wann eine Klappe um die aktuelle Lesestelle zu markieren. Der größte Knackpunkt des im Franckh-Kosmos-Verlag erschienenen „Golf oder gar nichts“ ist allerdings der Preis. Knapp 30 Euro sind schon eine ordentliche Hausnummer. Wenn man jedoch vergleicht, was es auf dem deutschsprachigen Markt an Golfbuch-Alternativen gibt, setzt schnell Ernüchterung ein – denn abseits von Selbsthilfebüchern herrscht gähnende Leere. Alleine deshalb ist „Golf oder gar nichts“ eine positive Bereicherung des Marktes und ein gelungener Versuch mit dem spießigen Image unseres Sports aufzuräumen. Schließlich gehört dieses Golfbuch zu den seltenen Exemplaren, das man getrost offen liegen lassen kann wenn Nicht-Golfer zu Besuch kommen.

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