Martin Kaymers bisherige Karriere als Wordclouds

Auf vielen Blogs werden sogenannte Wordclouds genutzt um die am häufigsten behandelten Themen grafisch darzustellen. Doch man kann solche Elemente auch für ganz andere Dinge nutzen: beispielsweise als Illustration für die Performance eines Golfers – in diesem Fall Martin Kaymer. Mit Hilfe einer wunderbaren Internet-Applikation habe ich jede einzelne Zählspielrunde von Martin Kaymer auf der PGA- und European-Tour jahresweise eingegeben und sie mir dann grafisch auswerfen lassen. Das Ergebnis waren folgende Wordclouds – oder in diesem Fall Numberclouds. Je größer die Zahlen sind, desto öfter hat Kaymer dieses Rundenergebnis in dem jeweiligen Kalenderjahr erzielt. Das Erstaunliche: bereits mit dieser simplen grafischen Darstellung lassen sich interessante Entwicklungen in Kaymers Karriere aufzeigen.


Schlagdurchschnitt: 71.06 ET-Preisgeld: €754.691
In seinem ersten Jahr auf der European Tour war Martin Kaymer so wie Tiger Woods mit dem Driver: „All over the place“. 16 verschiedene Scores konnte er im Verlauf des Jahres verzeichnen. Das untere Extrem war eine 61 in der ersten Runde des Portugal Masters, das obere Extrem folgte 14 Tage später mit einer 78 in Runde zwei des Volvo Masters. Auffällig ist auch, wie groß die mittleren 70er-Zahlen sind, verglichen mit den Runden in den 60ern. Allein schon daran lässt sich im Vergleich zu den späteren Jahren erkennen, welch Anlaufprobleme auch ein Martin Kaymer auf der European Tour hatte.


Schlagdurchschnitt: 71.05 ET-Preisgeld: €1.794.500
Mit 71,05 fiel der Schlagdurchschnitt von Martin Kaymer nur um 0,01 niedriger aus als im Vorjahr. Doch die Grafik zeigt einige interessante Verschiebungen. So ist das dominante Ergebnis seiner Saison nicht mehr eine 72 sondern eine 70. In negativer Hinsicht ausgeglichen wurde dies durch deutlich mehr Ausrutscher. Gleich bei drei aufeinanderfolgenden Turnieren – der Open Championship, dem Bridgestone Invitational und der PGA Championship – leistete Kaymer sich eine 79. Hinzu kamen noch etliche 76er-Runden. Dies ist letztlich ironischerweise auch die Begründung warum 2008 für Kaymer deutlich erfolgreicher war als 2007: Wenn man bei gleichem Rundendurchschnitt mehr schlechtere Runden hat, heißt dies im Gegenzug, dass die restlichen Runden deutlich besser waren. Und im Golf kommt es nun mal in der Regel nicht drauf an, ein gutes Gesamtjahr zu haben, sondern einzelne gute Wochen.


Schlagdurchschnitt: 70.00 ET-Preisgeld: €2.864.342
Um einen Schlag ging der Durchschnitt von Kaymer im Jahr 2009 herunter – rein danach beurteilt sein bisher bestes Karrierejahr. Erreicht hat er diese Verbesserung durch eine deutlich höhere Konstanz mit nur vereinzelten Ausreißern wie sich sehr schön daran erkennen lässt, wie klein die großen Zahlen sind. Denn satte 60% von Kaymer Runden endeten in der Spanne zwischen 69 und 72 Schlägen – nimmt man noch die 68er und 73er Runden hinzu, sind wir schon bei 77%.


Schlagdurchschnitt: 70.04 ET-Preisgeld: €4.461.011
Sein sportlich erfolgreichstes Jahr verdankt Martin Kaymer noch einmal einer deutlich höheren Konstanz. Gerade mal elf verschiedene Rundenergebnisse finden sich in der Grafik. Auffällig ist, dass er im gesamten Jahr 2010 nur eine einzige Runde mit mehr als 74 Schlägen absolvierte (eine 75 in der Schlussrunde des Valderrama Masters). Auf der anderen Seite des Spektrums fehlen zwar auch die ganz niedrigen Runden in Platzrekord-Sphären. Doch wer in einem Jahr so viele Runden in den 60ern spielt, wie man hier schön an der Größe der Zahlen erkennen kann, wird automatisch mit viel Erfolg und Turniersiegen gesegnet sein.


Schlagdurchschnitt: 70.11 ET-Preisgeld: €3.489.033
Von der 63 bis zur 78 war in dieser Saison bei Kaymer wieder alles vertreten. Dieses Auf und Ab war auch der Hauptgrund, dass es lange Zeit nach einem für seine Verhältnisse enttäuschenden Jahr aussah. Doch mit einem tollen Schlussspurt, der den Anteil an 60er-Runden erhöhte, konnte er seinen Schlagdurchschnitt wieder in etwa auf den Wert der Vorjahre und die grafische Verteilung seiner Runden wieder in etwa auf das Level vor seinem Ausnahmejahr 2010 bringen.


Schlagdurchschnitt: 68.86 ET-Preisgeld: €5.323.400
Als Vergleichsgrafik für die Kaymer-Jahre habe ich mir einmal die diesjährige, herausragende Saison von Luke Donald herausgesucht. Auffällig ist erst einmal die grafisch kleinste Zahl: eine 79 hatte ein Martin Kaymer zuletzt 2008 in seinem Repertoire. Allerdings muss man einschränkend dazu sagen, dass diese Runde von Donald bei seinem ersten Saisonauftritt nach langer Turnierpause zu Stande kam. Danach war der Engländer beinahe makellos. Runden über 72 Schläge waren die absolute Ausnahme, die Standardrunden für Donald lagen bei 70 bzw. 68 Schlägen: eine beeindruckende Bilanz. Ein klein wenig hinkt der Vergleich zwar, weil auf der PGA Tour öfter Par-70-Plätze als auf der European Tour gespielt werden. Aber die Größe der Zahlen von 66 bis 70 zeigt eindrucksvoll warum Luke Donald 2011 der überragende Spieler war.

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