Masters-Skipping: Die Geschichte der Wasserhüpfer

Es gibt viele Löcher im Augusta National Golf Club, die berühmter sind: Die legendäre, kurze Bahn 12 oder die beiden Par 5s auf den Back Nine fallen dabei zuerst ein. Doch es gibt kein Loch, das spektakulärere Momente zu bieten hat als die 16. Von den 21 Hole-in-Ones, die in der Masters-Geschichte fielen, gehen 13 Stück auf das Konto des 170 Meter langen Par 3, genannt Redbud (Judasbaum). Aber auf ewig brannte sich die 16 im Jahr 2005 in das Gedächtnis aller Golffans ein, als Tiger Woods auf dem Weg zum Sieg zum Birdie einchippte.

Das Spektakel beginnt an diesem Loch allerdings nicht erst am Donnerstag mit dem offiziellen Beginn des Turniers. Bereits auf den Proberunden lohnt es sich hier zu campieren, denn seit einigen Jahrzehnten hat sich eine Tradition eingebürgert: das sogenannte Skipping über den Teich, bei dem die Spieler den Ball mit möglichst vielen Aufsetzern auf der Wasseroberfläche bis zum Grün befördern. Nichts ungewöhnliches mag unsereins denken, ich mache das jedes Wochenende. Der Unterschied ist jedoch: Die tun das absichtlich.

Der Ablauf ist dabei eigentlich immer gleich: Zuerst wird ein normaler Abschlag von dem leicht erhöhten Tee der 16 gespielt (es ist schließlich eine ernsthafte Übungsrunde). Sobald die Spieler die Teebox verlassen, rufen die Zuschauer „Skip, Skip, Skip“ – und die Spieler gehorchen indem sie kurz vor dem Wasserhindernis einen Ball droppen: alles sehr schön in diesem Video von 2007 zu sehen.



Wie dann letztendlich geskippt wird, ist egal. Manche tun es im Duett, andere – wie Darren Clarke oben – rufen einen Zuschauer hinzu. Als Schläger der Wahl wird meist ein langes Eisen benutzt – manche Teilnehmer sollen extra nur für diesen Showschlag eines während der Proberunde in die Tasche packen. Doch wie genau ist diese Tradition entstanden? So ganz gesichert ist es nicht. Die verbreitetste Theorie ist, dass Lee Trevino daran Schuld trägt. Wann es genau begann, kann aber der 72-Jährige selber nicht mehr genau sagen. Als ihn „Golf Digest“ 2005 danach befragte, bekam er nur noch Bruchstücke zusammen, die zumindest darauf hindeuten, dass es 1982 gewesen sein muss.

Das Amüsanteste daran ist, dass die Skipping-Tradition sich nicht aus einer Proberunden-Wette entwickelte oder Resultat einer Schnapsidee war, sondern aus Frustration entstand. Denn Trevino ließ seinen Ball tatsächlich während des Turniers über das Wasser hüpfen. Der damals bereits fünffache Major-Sieger hatte ein katastrophales Turnier hinter sich und musste als einer der Ersten auf die Schlussrunde gehen. Weit über Par liegend (am Ende wurde er Vorletzter der verbliebenen Spieler) war ihm alles egal und er ließ den Ball über das Wasser hüpfen, traf sogar das Grün und spielte Par.

Bis es sich zu der heutigen Form entwickelte, dauerte es allerdings noch einige Zeit. „Es hat den Leuten eine Freude bereitet“, erklärte Seve Ballesteros 1986 seine Skipping-Versuche auf der 16 während seiner Proberunde. Die waren damals noch so selten, dass die australische Zeitung „The Age“ dem Spanier unterstellte, er habe dem angestaubten Club einen Streich gespielt.

Mittlerweile macht es jeder – aus Angst vor den Zuschauern ausgebuht zu werden und um den Menschen, die bereits für die Proberunden enorme Ticketpreise zahlen, eine Freude zu machen. Dennoch dauerte es bis ins Jahr 2009 bis es endlich jemandem gelang, seinen Skip-Schlag nicht nur aufs Grün zu befördern, sondern direkt im Loch zu versenken. Vijay Singh war der Glückliche und da Handys in Augusta zum Glück nur während des Turniers verboten sind, wurde dieses historische Ereignis sogar für die Nachwelt festgehalten.



Seit gestern ist der Mann aus Fiji allerdings nicht mehr alleine. Denn da gelang einem jungen Mann aus Mettmann das gleiche Kunststück. Leider hatte der Handy-Kameramann keinen günstigen Winkel auf den Schlag, so dass man nur den ersten Aufsetzer und das große Finale erkennen kann. Aber so hat sich Martin Kaymer nach vier verpassten Cuts endlich auch einmal positiv in den Geschichtsbüchern des Augusta National Golf Club verewigt.



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