PGA Tour 2K21 Review

TPC Scottsdale ist in PGA Tour 2K21 dabei
TPC Scottsdale ist in PGA Tour 2K21 dabei

PGA Tour 2K21, das neue Videospiel aus dem Hause HB Studios, ist wie ein Rookie auf der PGA Tour, der gerade die Qualifying School überstanden hat. Alle Anlagen für eine große Karriere sind da, aber sie wissen noch nicht zu hundert Prozent wie man sie perfekt einsetzt. Mit dem Titel 2K21 knüpft die Serie an die erfolgreichen NBA-Sportspiele von Take Two Interactive an. Allerdings stammt die Engine von den kanadischen Videospieldesignern, die zuvor bereits die zwei Ausgaben der The Golf Club Reihe verantworteten. The Golf Club 2 firmierte dabei bereits unter dem Vertriebsmantel von Take Two, nun ist man aus marketingsstrategischer Sicht auf die kluge Idee gekommen, das Ganze unter diesem neuen Titel zu firmieren.

The Golf Club 3.0

Wer also bereits “The Golf Club” gespielt hat, weiß was zu erwarten ist. Die Steuerung erfolgt intuitiv mit dem Control Stick und legt mehr Wert auf einen guten Rhythmus. Zu schnell geschwungen und es folgt ein Hook, zu langsam und das Resultat ist ein Slice. Ob man den Stick leicht schräg bewegt, fällt weniger ins Gewicht. Während lange Schläge selbst auf höherer Schwierigkeitsstufe schnell ins Blut gehen, liegt die größte Herausforderung auf den Grüns. Hier das richtige Timing zu finden, kann schnell frustrieren. Denn das Schwungmeter geht nicht gleichmäßig zurück. Und so schießen kurze Putts weit über das Loch, während lange oft nur die Hälfte des Weges schaffen. Groß nachdenken braucht man nicht. Anders als bei FIFA und Co. gibt es hier keine Spezialmoves. Und so ist PGA Tour 2K21 perfekt, um bei einer (zügig gespielten) 15-Minuten-Runde das Hirn abzuschalten und die Landschaft zu genießen. Ganz wie im echten Golf.

Die Grafik ist dabei das absolute Vorzeigeprodukt des Spiels. Hier wurde gegenüber den vorherigen Spielen noch einmal eine Schippe drauf gepackt. Vom spiegelnden Wasser bis zur Pitchmarke auf dem Grün wurde auf jedes Detail geachtet. Und sogar Hindernisse sind nicht nur visuell da, sondern reagieren wie echte Objekte. Die Bälle prallen von Baumstämmen, Fahnenstöcken und anderen Dingen ab. Einzig durch die Zuschauer fliegt der Ball durch. Offenbar hatten die Programmierer Sorge, dass ruchlose Gamer es ausnutzen könnten, wenn die Bälle Platzwunden hinterlassen. Schließlich soll PGA Tour 2K21 nicht zu Grand Theft Golfcart werden. Die größte Schwachstelle ist allerdings die Auswahl der bereitgestellten Plätze. Das Spiel ist mit einer Lizenz der PGA Tour ausgestattet weshalb die Original-Plätze fast allesamt aus dem TPC Network stammen – von Scottsdale bis Sawgrass. Der profilierteste reale Platz ist vermutlich der Riviera Country Club. Doch da kommt der eigentliche Trumpf des Games ins Spiel: der Course Designer.

Der Course Designer

Zugegeben: die Engine zum Erstellen eigener Golfplätze ist nichts für Anfänger. Bevor man sich daran macht, einen Platz zu erstellen, sollte man sich beispielsweise diese Reihe an Video-Tutorials anschauen. Doch man muss nicht der Tom Doak unter den Videospiel-Kursdesignern sein, um die Vorteile dieses Features zu genießen. Mit der Zeit werden auf diese Art von anderen hochkarätige Kurse zur Verfügung gestellt, die beispielsweise Augusta National oder andere Kaliber dieser Art nachstellen. Und dann wird sich der Spaßfaktor dieses Spiels noch einmal um ein Vielfaches erhöhen. Denn bereits bei den bestehenden Plätzen ist zu beobachten, dass die Fantasy-Plätz viel mehr Spaß machen als die realen TPC-Wiesen.

Das Schöne ist, dass im Karrieremodus uns sowohl Fantasie als auch Realität begegnet. Wer nicht gerade Buddys hat, mit denen man online Eins gegen Eins zocken kann, wird vermutlich in erster Linie auf diese Art des Spiels zurückgreifen, in der man sich von der Q-School über die Kornferry Tour bis auf die PGA Tour hocharbeiten kann. Die Namen des gesamten Spielerfelds sind lizensiert (beispielsweise stand Martin Kaymer in Dubai oben auf dem Leaderboard). Als sichtbare (leider aber nicht spielbare) Charaktere sind allerdings nur Patrick Cantlay, Cameron Champ, Bryson DeChambeau (in der Hänfling-Version), Tony Finau, Jim Furyk, Sergio Garcia, Billy Horschel, Kevin Kisner, Matt Kuchar, Ian Poulter, Justin Thomas und Gary Woodland dabei. Sie werden während der Karriere-Runden als TV-Highlights eingeblendet und stehen auch für den neuen Rivalen-Modus zur Verfügung, durch den man weitere Bonuspunkte sammelt.

Wo sind die Frauen?

Deren Nutzung ist einer der großen Schwachpunkte des Spiels. Mit Bonuspunkten kann man im Shop neue Klamotten oder Equipment kaufen. Das Problem: eigentlich ist man bereits von Beginn an mit einem der besten Schläger-Sets ausgerüstet, der Nutzen hält sich also in Grenzen. Und auch die Klamotten-Wahl wirkt mehr wie Product Placement als wie eine Möglichkeit, seinem Avatar einen cooleren Look zu verpassen. Das Aussehen des eigenen Spielers ist ohnehin ein Schwachpunkt, da sich die Anpassbarkeit von Gesicht und Körper in Grenzen hält. Ein realistisches Abbild seiner Selbst wird man leider nicht hinbekommen. Aber wozu auch? Schließlich kann das Kommentatoren-Duo Luke Elvy und Rich Beem den eigenen Namen ohnehin nicht aussprechen. Anders als bei der FIFA-Reihe oder US-Sportspielen gibt es keine vorab eingesprochenen Nachnamen auf die man zurückgreifen kann. Stattdessen wird hier von “This Person” gesprochen. Schwach!

Ebenso enttäuschend sind die fehlenden Lizenzen. Ja, es kostet vermutlich eine gehörige Stange Geld, sich die Logos und Namensrechte von der R&A, der USGA, Augusta National und der PGA of America zu sichern. Aber dass man es beispielsweise nicht einmal geschafft hat, sich auch nur eine einzige Golferin der LPGA Tour zu sichern und in das Spiel einzubinden, ist eine Frechheit. Ja, Videospiele werden meisten von Männern gespielt. Aber wäre es wirklich so schwer gewesen, Jin Young Ko, Nelly Korda oder Lexi Thompson zu digitalisieren? So bleibt am Ende festzuhalten, dass PGA Tour 2K21 spielerisch und grafisch die gelungenste golferische Herausforderung seit dem letzten Tiger-Woods-Spiel ist. In der Ausgestaltung des Karrieremodus und anderer Randaspekte gibt es aber noch sehr viel Luft nach oben.

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