Royal St. George’s Golf Club

Unsere Bewertung

8 Reisegolfer

Erklärung der Bewertungsskala

Manchmal muss man sich ja auch mal etwas gönnen. Ich gönne mir ein oder zweimal im Jahr einen der nicht ganz so günstigen Golfplätze, die in jeder der verschiedenen Top 100 Listen der Welt auftauchen. Nachdem im April der Old Course in Ballybunion dran war, kam dann im September Royal St. George’s in Kent. Seit 1894 wurden dort schon 14 mal die Open Championship ausgetragen. Nächstes Jahr im Juli finden dann dort die 149st Open statt. Grund genug für mich, endlich mal den Platz kennenzulernen.

Meine Teetime hatte ich schon Monate vorher gebucht und bezahlt. Es ist in dieser Gegend der Welt dann doch irgendwie ein Lotteriespiel, eine nicht günstige Startzeit zu buchen und dann auf gutes Wetter zu hoffen. Eigentlich gehört Kent zu den trockensten Regionen in UK, aber am Tage meiner Runde hatte es schon die Nacht geregnet und bei der Abfahrt in Guildford regnete es auch. Da aber BBC Weather versprach, dass der Regen gegen Mittag aufhören sollte, war ich optimistisch. Der Wetterbericht der BBC hatte sich über die Jahre als vertrauenswürdig erwiesen und daher musste ich einfach Glück haben.

Nach knapp 2 Stunden Fahrt durch Dauerregen kam ich auf den Parkplatz und der Regen hörte auf. Was kann das Leben doch manchmal schön sein. Als ich zum Proshop ging, kamen mir von der 18 Spieler mit nasser Regenkleidung entgegen. So etwas musste ich dann wohl nicht erleben. Die Abwicklung im Proshop war mindestens so zuvorkommend wie an der Kasse beim örtlichen Lebensmittelgeschäft zu Hause. Aber sehr freundlich. Ich packte dann erstmal aus und ging zum Umkleideraum im sehr schönen alten Clubhaus. Hier konnte man dann sehr schön sehen, dass es sich um einen alten Club handelt. Alles nicht sehr modern, aber zweckmässig.

Nach etwas Chippen und putten bewegte ich mich dann zum ersten Abschlag. Der mit den reetgedeckten kleinen Starterhäuschen. Von dort aus sah man nichts als typische Linkskurs Landschaft. Ein paar Fairways, Grüns, Gräser verschiedener Farben und etwas entfernt, Dünen. Ich fühlte mich wohl. Loch 1 war dann auch eigentlich nicht so schwer. Man musste sich nur mehr rechts halten. Loch 2 war ein nettes, kurzes Par 4 mit leichtem Dogleg links. Das Grün und die Region drumherum war stark onduliert. Dafür waren um das Grün keine Bunker. Nach einem Par 3, was gut, aber nicht besonders war (Grün auf zwei Ebenen und keine Bunker), ging es zum ersten großartigen Loch.

Loch 4 ist schon beim ersten Anblick respekteinflössend. Etwas unter 400 Meter lang und rechts vom Abschlag eine nachts höher werdende Düne mit zwei großen Bunker in der Front. Um diese sicher zu überqueren, muss man mindestens 190 Meter carry schlagen. Links von der Düne mit den Bunker sollte man auch nicht schlagen. Da ist keine Lage gut. Und wenn man dann auf dem Fairway ist, sieht man dass dieses extrem onduliert ist. Wenn man das Grün dann doch in zwei oder drei Schlägen erreicht hat, ist man wieder mit einem Grün auf verschiedenen Ebenen konfrontiert. Hier werden im nächsten Jahr auch die Pros bei den Open herausgefordert werden.

Loch 5 ist dann auch wieder richtig klasse. Dogleg links über die Dünen ist die perfekte Lage für den Abschlag geradeaus kurz vor dem Strand. Von dort ist das Grün dann, obwohl man es nicht komplett sieht, gut zu erreichen. Bei den nächsten Open wird es sich einige geben, die das Grün direkt angreifen werden. John Daly war der erste, der dies erfolgreich versuchte. Mein nächster Favorit war dann Loch 8. Par 4, Dogleg rechts. Vom Abschlag aus sieht man nur einen Teil des Fairways und zwei große Bunker rechts vom Fairway. Der zweite Schlag muss dann auf jeden Fall die richtige Länge haben, um auf dem gut geschützten Grün liegenzubleiben.

Der nächste Höhepunkt für mich war dann Loch 12. Ich könnte mich hier weiter über die vielen aufeinander folgenden großartigen Löcher auslassen. Es ist wirklich ein Weltklasseplatz. Vor allem je mehr man sich die einzelnen Löcher noch einmal vor Augen führt. Und wenn hier noch der Wind von der Nordsee hinzukommt, ist es für jeden eine echte Herausforderung. Auch für die Teilnehmer der Open 2020.

Nach der Runde, es war knapp 15.30, wollte ich mir noch ein Getränk im schönen Clubhaus gönnen. Die Bar und die Clubräume waren zwar wirklich schön. Typisch englisch. Leider war um diese Zeit keiner mehr dort. Die Bar war leer und Personal war auch keines mehr da. Also kein Pint Lager. Schade. Möglicherweise spielt man hier eher früher und nimmt dann seinen Lunch zu sich. Keine Ahnung. Oder die Bar schließt an Montagen Mittags seine Pforten. Ich habe es nicht herausfinden können. War ja keiner da zum fragen.

Die Runde im Royal St. George’s Golf Club lohnt sich aber trotz des doch sehr hohen Greenfees schon, wenn man Liebhaber von Linkskursen und großartiger Golfplatzarchitektur ist. Ich habe jede Minute auf dem Platz genossen.

Fazit: Ein Weltklasse Golfplatz. Kaum schwächere Löcher.

Gespielt am 09.09.2019

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