San Lorenzo Golf Course

Unsere Bewertung

6 Linksgolfer

Erklärung der Bewertungsskala

Den San Lorenzo Golf Course hat vermutlich jeder schon einmal gesehen, der nach Faro geflogen ist. Denn der 18-Loch-Platz ist Luftlinie gerade einmal zwei Kilometer von der Landebahn des Aeroporto de Faro entfernt. Rein theoretisch könnte man sogar über den Ludo Hiking Trail zu Fuß auf eines der Tees laufen. Gestaltet wurde der Kurs vom amerikanischen Duo John Lee und William “Rocky” Roquemore, die auch für die ersten drei Golfplätze in Walt Disney World verantwortlich zeichneten. Dennoch ist San Lorenzo alles andere als ein Micky-Maus-Platz.

Konzentration aufs Wesentliche

Das rustikale Clubhaus macht allerdings auch gleich klar, dass es kein Luxus-Resort ist. Ich hatte San Lorenzo als letzten Platz meines Andalusien-Trips gewählt, weil ich vor dem Abflug nachmittags in Faro noch eine Runde drehen wollte. Meine größte Sorge war daher, noch eine Duschgelegenheit zu finden, um im Flieger nicht unangenehm aufzufallen. Tatsächlich durfte ich die Umkleidekabine nutzen, die – nunja – ihren Zweck erfüllte. Aber wie ihr ja wisst, ist uns so etwas recht egal, denn unser einziges Interesse ist die Qualität des Platzes. Und die ist alles andere als zweckmäßig.

Das in Form einer 8 angelegte Par 72 misst von den Back Tees beachtliche 6247 Meter. Dennoch bleibt es auch für Normalsterbliche gut spielbar. Ein Grund, warum San Lorenzo in nicht ganz so vielen Bestenlisten auftaucht, liegt vielleicht in der Dramaturgie des Platzes. Denn die Stärken hat das 1988 eröffnete Design auf den ersten neun Löchern, während die Back 9 qualitativ etwas abfallen. Und das obwohl die obligatorischen Villen eher auf den Front 9 liegen. Nach einem großzügigen Par 5 und einem kurzen Par 3 zum Auftakt (111-162 Meter), ist das erste Par 4 ein gutes Birdieloch. Man muss nur den Drive in das Dogleg nach links toppen, das Pitching Wedge ins Vorgrün hinter die Fahne toppen und den 8 Meter Putt zurück einlochen. Wie gesagt, easy.

Die braune Lagune

Nach einer Straßenüberquerung und einem Transferloch kommt mit dem zweiten Par 3 (96-129 Meter) das erste optische Highlight. Vom Tee hat man den Eindruck, dass das Grün von Pinien regelrecht beschirmt wird. Und im Hintergrund ist zum ersten Mal ein Streifen vom Meer zu sehen. Für mich persönlich wäre das Loch noch unvergesslicher geblieben, hätte der Abschlag 2cm weiter rechts gestoppt. Aber auch so denke ich noch mit Freude an die 5 zurück. Ebenso wie an die 6, das Signature Hole des Platzes. Das Par 4 (298-386 Meter) führt in einem scharfen Dogleg nach links am Naturschutzgebiet Ria Formosa vorbei. Da die Teebox höhergelegen ist, hat man von hier einen traumhaften Ausblick, den man unbedingt genießen sollte. Hinzu kommt, dass die Bahn strategisch Kopfzerbrechen bereitet, da man nicht genau weiß, wie weit man über den Knick abkürzen kann.

Auch die 7 (299-345 Meter) führt noch traumhaft an der Lagune vorbei, die beim Schlag ins Grün zu einem natürlichen Wasserhindernis wird. Im Anschluss geht es an einem künstlichen See entlang mit der 8 (465-525 Meter) und 9 (312-366 Meter) wieder zurück zum Clubhaus. Die zweiten neun Löcher führen dann – für Algarve-Verhältnisse – auf einer Anhöhe entlang. Schließlich lässt sich von Bahn 12 ein Blick auf die daneben und deutlich tiefer gelegenen Bahnen des Pinheiros Altos Golf Course erhaschen. Zudem wird es hier etwas enger: ein verzogener Drive führt durchaus mal zu einem verlorenen Ball. Keine Frage, es sind alles solide Löcher, aber der visuelle Reiz fehlt etwas. Waren die Front 9 für die Algarve noch ungewöhnlich, sind die Back 9 guter Standard.

Wenige Highlights auf den Back 9

Erinnerungswürdig sind die 14 (133-157 Meter), das den Eindruck eines Infinity Greens erweckt, die 15 (405-473 Meter) mit ihren coolen Fairway- und Grünbunkern und die 17 (296-344 Meter), deren Grün von dem künstlichen See verteidigt wird. Leider ist jedoch die 18 (327-371 Meter) ein recht verbautes Schlussloch. Der Drive über die Ecke des Sees ist reizvoll, aber die Bahn verläuft in Treppenform nach links. Wobei alles jenseits der schmalen Treppenstufe Wasser ist. Wer keinen absolut perfekten Drive hat, kann sich abschminken, das Grün mit dem zweiten Schlag zu erreichen. Das Problem: es gibt keine vernünftige Möglichkeit, eine defensive Sicherheits-Strategie zu fahren. Entweder muss man den zweiten Schlag nach vorne chippen oder ein Wedge auf eine sehr kleine Landezone pitchen. Und in beiden Varianten noch einmal ein perfektes Wedge über Wasser spielen.

So bleibt am Ende ein guter Platz, von dem man sich nach den Front 9 noch eine Portion mehr versprochen hätte. Ob das genug ist, um 140 Euro Greenfee zu zahlen? Normalerweise nicht. Aber verglichen mit der Qualität und den Preisen auf den umliegenden Golfplätzen ist dies immer noch ein ordentliches Preis-Leistungsverhältnis.

Zuletzt gespielt am: 8. Februar 2020

Zusammenfassung
Gespielt am
Bewerteter Platz
San Lorenzo Golf Course
Bewertung
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