Viel Lärm um Nichts: Die neuen Mitglieds-Kriterien der European Tour

Zum zweiten Mal in Folge hat die European Tour eine Erschwerung der Mitgliedschaft beschlossen. 2009 wurde bereits eine Erhöhung der Mindestanzahl der Turniere von 11 auf 12 beschlossen. Jetzt zieht man für die kommende Saison noch einmal die Daumenschrauben an. Wer Mitglied der European Tour sein und beim Race to Dubai abkassieren will, muss mindestens 13 Turniere bestreiten. Was auf den ersten Blick wie eine Reaktion auf die Qualifikationskriterien für den Ryder Cup aussieht, hat laut Paul McGinley wirtschaftliche Gründe. „Europa geht durch einen wirtschaftlichen Abwärtstrend und wir versuchen und um die Sponsoren unserer Turniere in Kontinentaleuropa zu kümmern.“

Eine Aussage, die irgendwie widersprüchlich zum Handeln der European Tour ist. Schließlich hat man immer mehr Turniere in Asien und vor allem im Nahen Osten in den Turnierplan eingefügt – und dadurch die Events in Kontinentaleuropa erst geschwächt. Ein Trend, der sich auch 2011 fortsetzt. Im bereits bekannt gegebenen ersten Abschnitt der European Tour wird mit den Volvo Golf Champions in Bahrain ein zusätzliches Turnier im Nahen Osten eingeführt. Wer also Probleme hat auf seine Turnier-Quote zu kommen, braucht also einfach eine Woche länger im Nahen Osten bleiben und alles ist gut. Von einer Stärkung der Turniere in Kontinentaleuropa also keine Spur.

Ob sich Miguel-Angel Jimenez dessen bewusst war, als er zu seinen Kollegen mit Basis in den USA sagte „sie sollen nicht mit Steinen auf ihr eigenes Haus werfen“? Schließlich werden die tragenden Wände derzeit eher von den Offiziellen als den Spielern eingerissen. Von den 48 Turnieren im Kalender der 2010er Saison fanden 22 Turniere außerhalb Europas statt. Tendenz: steigend. Oder um es ketzerisch zu formulieren: Um Mitglied der European Tour zu sein, muss man das ganze Jahr nicht einen Fuß nach Europa setzen.

Der wahre Grund ist also nicht die Stärkung der europäischen Turniere, sondern der schon seit Jahren unterschwellig gärende Kampf zwischen PGA Tour und European Tour um die besten Spieler der Welt. Denn machen wir uns doch nichts vor: European-Tour-Chef George O’Grady und seinen Kollegen ist es ganz egal, ob Pelle Edberg, Marcel Siem und Anthony Wall 25, 15 oder 5 Turniere im Jahr bestreiten. Er will, dass die Publikumsmagneten Lee Westwood, Padraig Harrington, Paul Casey, Luke Donald, Martin Kaymer, Ernie Els, Retief Goosen und Co. so oft es geht auf der European Tour zu sehen sind. Sein Problem: genau diese Spieler sind unter den Top 50 der Welt und damit für zahlreiche Turniere qualifiziert, die automatisch zur European Tour dazuzählen: die vier Majors, die vier Turniere der World Golf Championships. Nimmt man dann noch das Flagship-Event, die BMW PGA Championship hinzu, sind das neun Turniere, die die Stars ohnehin fest im Kalender reserviert haben. Selbst nach der Neuregelung für 2011 müssen sie also nur vier Turniere der European Tour noch irgendwo unterbringen. Und da die Turniere in Dubai, Qatar und Co. ohne Konkurrenz durch die PGA Tour stattfinden -und die Veranstalter mit Antrittsgeldern nur so um sich werfen – kann jeder der Top-Spieler schon frühzeitig in der Saison außerhalb Europas die Weichen für die volle Mitgliedschaft stellen.

Ein Konzept, das Luke Donald offensichtlich noch nicht verstanden hat. „Jedes Mal wenn sie ein Turnier hinzufügen wird es schwieriger“, jammerte er. „Es könnte zum Bumerang werden. Einige Spieler könnten Sagen ,Vergesst es'“. Doch ein Blick auf das aktuelle Race-to-Dubai-Ranking zeigt wie absurd die Diskussion um die Erhöhung der Turnieranzahl ist. Von den Top 27 Spielern liegen derzeit gerade mal sieben Spieler unter der neuen Mindestgrenze:

  • 12 Turniere: Lee Westwood und Paul Casey
  • 11 Turniere: Ian Poulter, Luke Donald, Padraig Harrington
  • 10 Turniere: Retief Goosen und Camilo Villegas

Lee Westwood und Paul Casey sind beide für die HSBC Champions qualifiziert und würden damit ihre Quote für 2011 erfüllen. Harrington hat zusätzlich zur HSBC noch die Singapore Open auf seinem Spielplan. Poulter wird neben der HSBC wohl die Hong Kong Open spielen. Und Luke Donald hat bereits gesagt, dass es für ihn persönlich kein Problem ist, die 13er-Regelung zu erfüllen. Bleiben also noch Retief Goosen und Camilo Villegas. Goosen war im April zwei Monate verletzt – zu einer Zeit, in der er für gewöhnlich die BMW PGA Championship und das European Masters spielt. Ohne die Verletzung läge er mit der HSBC Champions also locker im Soll. Der einzige Spieler, der also irgendwo noch ein Turnier unterbringen müsste, wäre also Camilo Villegas. Dass der Kolumbianer überhaupt in der Lage ist, eine Co-Mitgliedschaft bei der European Tour anzustreben, spricht für die Absurdität der ganzen Regeln: Villegas hat lediglich für die Scottisch Open und die Open Championship in Europa aufgeteet.

Somit gibt es nur ein wirkliches Opfer: Justin Rose. Der Engländer legte letzte Woche seine Mitgliedschaft bei der European Tour nieder, weil er gerade mal die Hälfte der Turniere spielen konnte. Der Grund dafür? Nicht etwa alleine seine komplette Ausrichtung auf die US-Tour – er hat bisher nur einen Auftritt weniger auf der European Tour. Der Grund ist, dass Rose das Jahr außerhalb der Top 50 der Welt begann und somit für Masters, U.S. Open und die ersten WGC-Events nicht startberechtigt war. Nun werden die Anhänger der European Tour zurecht sagen: Persönliches Pech. Also muss Justin Rose die Konsequenzen tragen. Und die ist laut Statuten ein zweijähriger Ausschluss von der European Tour. Doch hinter den Kulissen ist bereits verhandelt worden, dass Rose 2011 sich erneut als Mitglied der European Tour versuchen darf. Ein Exempel zum Schutz der eigenen Tour statuiert man anders.

Denn wenn man hinter die Rauchbomben schaut, hat die European Tour viel zu viel Angst etwas zu ändern. Sie wissen, dass sie – wenn es hart auf hart kommt – den kürzeren gegen die lukrativere PGA Tour ziehen würde. Hinzu kommt, dass die Welt, in denen die Golfer in European Tour und PGA Tour aufgeteilt werden konnten, längst nicht mehr existiert. Die besten Spieler der Welt sind längst zu unabhängigen Unternehmern geworden, da sie um ihre Zugkraft wissen und ohnehin in jedes Turnier kommen, das sie spielen wollen. Die sogenannte World Tour, die bisher noch eine Fantasie der Offiziellen ist, existiert im Turnierkalender der Profis schon längst.

Das weiß auch die PGA Tour, die ihrerseits Unternehmungen anstrengt, ihre Tour zu schützen – und dabei deutlich cleverer vorgeht, als ihr europäisches Gegenstück. Ab 2011, sollte dies im November endgültig beschlossen werden, werden einige weniger populäre Tour-Stationen als designierte Turniere nominiert. Jeder der besseren Spieler MUSS an einem dieser Turniere (in der Diskussion stehen 3-6) teilnehmen um seine Tour-Mitgiedschaft zu halten. Ironischerweise könnte diese Maßnahme der PGA Tour aufgrund möglicher Terminkonflikte zu einem größeren Stolperstein für die Doppel-Mitglieder werden, als die Schutzmaßnahmen der European Tour.

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