Warum Florian Fritsch ein Vorzeigeathlet ist

Ich kenne Florian Fritsch nicht persönlich. Mein einziger Kontakt zu ihm war indirekt als Mitglied des Spicy Golf Forum. Bereits bevor er sich entschloss, es als Profigolfer zu versuchen, war er dort ein aktives Mitglied und auch nachdem er den Weg ins Profilager wählte, gab er – so es seine Zeit zuließ – kurze Wasserstandsangaben ab. Mit seiner freundlichen, offenen Art sammelte er viele Pluspunkte und so ist es kein Wunder, dass die meisten Foristen fieberhaft bei seinen Auftritten auf der Challenge Tour mitfieberten – sogar noch etwas intensiver als bei Martin Kaymer und Co.

Vor einigen Wochen gab Florian Fritsch, dem 2009 nur 1-2 weitere gute Ergebnisse für die European Tour Karte fehlten, schließlich bekannt, dass er seine Profikarriere beendet. In einer offiziellen Stellungnahme begründete er seinen Schritt damit, „nicht geschaffen für dieses Geschäft“ zu sein, weil er mental noch nicht reif genug für diesen Sport sei und durch den Druck regelrecht eine Flugangst entwickelte. Daher freue er sich jetzt „auf mein Leben ohne Hotels und Jetlag“. Nun darf man sicher kritisch fragen, ob er sich das nicht hätte früher überlegen können, ob er sich vielleicht vorher nicht genug Gedanken darüber gemacht hat, was es an Umstellungen bedeutet, ein Leben als Golfprofi zu führen. Aber seien wir doch mal ehrlich: Wieviele Menschen entscheiden sich täglich für einen neuen Job, der absolut perfekt scheint – und müssen nach wenigen Monaten feststellen, dass es überhaupt nicht den eigenen Vorstellungen entspricht. Florian Fritsch ist also beileibe kein Einzelfall. Doch wenn Sie oder ich so eine Fehlentscheidung treffen, stören sich lediglich Freunde und Verwandte daran.

Florian Fritschs Entscheidung dem Golfsport den Rücken zu kehren hat aber offensichtlich die Golf-Journalistin Petra Himmel auf den Plan gerufen. Die findet in ihrer Kolumne Himmel und Hoelle heute folgende Worte:

Florian Fritsch hat ziemlich überraschend für die breite Öffentlichkeit ebenfalls aufgehört mit dem Profigolf. Und das, nachdem wir im vergangenen Jahr noch der Meinung waren, aus dem Mann könne etwas werden. Denn auch bei den deutschen Herren gilt: Vorzeigeathleten sind eher Mangelware.

Ich hoffe für Frau Himmel, dass sie sich einfach keine Gedanken über ihre Wortwahl gemacht hat und nicht bewusst diese Sätze verfasste. Denn sie greift nicht etwa die Entscheidung an, sondern fährt eine Attacke auf die Persönlichkeit. Warum bitte schön kann aus dem Mann nichts mehr werden nur weil er mit dem Golfsport aufgehört hat? Hat er sein Leben verkorkst wenn er demnächst als Golflehrer, Arzt, Anwalt, Buchhalter, Müllmann oder – Gott behüte – Golfkolumnist seine Brötchen verdient? Eine Aussage die nur noch mehr an Perversität gewinnt wenn man sich vor Augen führt, das Frau Himmel wochenlang Textzeilen mit Anklagen füllte, dass Tiger Woods den Golfsport über sein Privatleben und seine persönliche Entwicklung gestellt hat. Nun macht Florian Fritsch genau das Gegenteil und wieder ist es falsch.

Aber er ist halt einfach kein Vorzeigeathlet. Schließlich hat er wie ein bockiges kleines Kind gesagt: „Ich mag nicht mehr“. Aber ist jemand wirklich ein Vorzeigeathlet wenn er ohne Perspektive immer weiter macht? Wenn er sich quält obwohl er längst keine Lust mehr auf dieses Leben hat? Oder ist nicht viel mehr das Gegenteil der Fall? Ein Vorzeigeathlet erkennt, wann es Zeit ist aufzuhören – ganz unabhängig davon, wie erfolgreich seine Karriere bisher gelaufen ist. Und ein Vorzeigeathlet verhält sich in allen Hoch- und Tiefphasen seines Sportlerlebens mit Klasse und Würde. In seiner Zeit als Profigolfer hat Florian Fritsch meines Wissens nach genau das getan. Und auch sein Statement über sein Karriereende ist für mich ein Ausdruck seiner tadellosen Persönlichkeit. Und damit ist er nicht nur ein Vorzeigeathlet sondern auch ein Vorbild. Natürlich ist es schade für alle, die mit ihm mitgefiebert haben, dennoch sollte man seiner Entscheidung Respekt gegenüber beweisen. Schließlich wird Florian Fritsch wohl kaum am Swimmingpool gelegen und spontan gesagt haben „Och, ich hab dann mal keinen Bock mehr“. Sondern vermutlich hat er monatelang über Für und Wider seiner Optionen nachgedacht.

Warum dann also dieses Nachtreten seitens Frau Himmel? Eine naheliegende Vermutung wäre es, dass man bei golf.de sauer auf die Entscheidung ist, weil sie zum Sponsorenteam von Fritsch gehörten. Wenn dem so ist, wäre es ein Zeichen mangelnder Klasse. Viel wahrscheinlicher ist es jedoch, dass es Frau Himmel einfach am nötigen Abstand fehlt. Für jeden Hobbygolfer – und dazu zählt auch die Autorin – ist es ein Traum, nur noch Golf leben zu dürfen, die schönsten Plätze der Welt spielen zu können und womöglich noch Millionen damit zu verdienen. Das Leben als Golfprofi ist für uns Freizeithacker doch in etwa das, was für jeden Badewannen-Sänger ein Auftritt bei DSDS ist. Dass es vielleicht ganz anders aussehen kann, wenn man dieses Leben dann wirklich führt, darüber macht sich kaum jemand Gedanken – und offensichtlich auch Frau Himmel nicht. Die sieht nur einen Menschen, der ihrem eigenen Traum den Rücken kehrt und zieht ihn dafür zur Rechenschaft. Und dies gilt nicht nur für Florian Fritsch, denn im ersten Teil ihrer Kolumne kann man zwischen den Zeilen auch fehlendes Verständnis für den Rücktritt der Weltranglisten-Ersten Lorena Ochoa entdecken. Und das ausgerechnet nach dem wir im vergangenen Jahr noch der Meinung waren, aus der Frau Himmel könne was werden. Aber auch bei den deutschen Golfschreibern gilt: Vorzeige-Journalisten sind eher Mangelware.

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