Was vom Masters übrig blieb

Nach vier intensiven Tagen gehört das erste Major des Jahres der Vergangenheit an. Aber so schnell vergessen wird man es nicht. Selten zuvor sah man eine solche Ansammlung von phänomenalen Schlägen. Alleine ein Highlight-Video der Turnierwoche würde vermutlich länger als „Vom Winde verweht“ dauern – beginnend mit dem gelochten Monster-Putt von Arnold Palmer beim Par-3-Contest bis hin zu Phil Mickelsons unfassbarem Eisen 6 aus dem Wald über Rae’s Creek zwei Meter an die Fahne. Ich glaube, es hätte keine bessere Premiere für den Live-Blog geben können, der sicherlich an geeigneter Stelle wieder eine Rückkehr feiern wird und hoffentlich noch mehr Zuspruch findet als beim Masters. Bis dahin einige willkürliche Gedanken zum Masters 2010.

Wie gewinnt man das Masters? Indem man draufprügelt wie blöd, ganz egal wo der Abschlag hinfliegt. Ich habe mir mal die Driving Accuracy der 48 Spieler angeschaut, die alle vier Runden spielen durften:
48. Geoff Ogilvy: 53,57%
47. Mike Weir: 57,14%
46. Anthony Kim: 58,93%
44. Phil Mickelson: 60,71%
44. Ricky Barnes: 60,71%
42. Lee Westwood: 62,5%
41. Camillo Villegas: 64,29%
40. Tiger Woods: 66,07%
Ergebnis: Die Top 4 des Turniers waren unter den acht schlechtesten was die Fairway-Treffer anging. Nun wird es Stimmen geben, die sagen: Das ist kein Golf. Aber andererseits ist es doch schön, dass verschiedene Majors verschiedene Spielertypen bedienen. Bei der U.S. Open und der PGA Championship wird beispielsweise mehr Genauigkeit vom Tee gefordert.

Bernhard Langer beschwerte sich nach seiner zweiten Runde ins Mikrofon von Irek Myskow, dass er sehr genervt von seinem Spielpartner Brad Benjamin gewesen sei. Der hätte so langsam gespielt, dass ihr Flight auf die Uhr genommen wurde. Indirekt machte Langer Benjamin somit für sein Scheitern am Cut verantwortlich. Doch wer im Glashaus sitzt, sollte vielleicht nicht mit Steinen werfen, so etwas riecht nach schlechter Verlierer. Hier einige Zitate über Langer:
„one of the slowest of the modern era“
„prove slow play isn’t an All-American malady“
„is a mechanical snail“
„fined 140$ for being too slow on a practice round“
„Who is the slowest player on Tour? Bernhard Langer, 16%.“
„at the TPC last month, Langer was fined $500 for slow play“

Den modischen Fauxpas des Turniers leistete sich Sergio Garcia, der in der letzten Runde eine Hose trug die irgendwo zwischen Jogging- und Regenhose lag. Positiver Trendsetter war hingegen Fred Couples, der ohne Socken und mit seinen spikelosen Schuhen das Gesprächsthema unter den Golfmode-Kritikern war. Ebenfalls auffällig war Ryan Moore, der für seine mutige Krawatten-Wahl mit einem Hole-in-One belohnt wurde.

In den letzten acht Jahren ging das Grüne Jackett vier Mal an einen Linkshänder. Eine Tatsache, die dieser Golf Blog applaudiert. Grund ist, dass der Platz von Rechtshändern die Fähigkeit eines konstanten Draws verlangt während Linkshänder den einfacheren Fade spielen können. Da könnte ich in Augusta doch bestimmt Handicap spielen.

Es schien als ob jeder Ball ins Loch ging, doch der Rekord für die meisten Eagles wurde nicht gebrochen: Insgesamt fielen 34, drei weniger als 1991. Hier das vielleicht spektakulärste, vom wiedererstarkten Adam Scott:



Die Amerikaner hatten damit gerechnet, dass die Schlussrunde des Tiger-Comeback-Masters alle Quoten-Rekorde brechen würde. Doch dem war nicht so. Das Masters 2001 hatte etwas mehr Zuschauer und das Masters von 1997 dominiert gar mit 33% mehr Zuschauern. Dennoch war das Turnier für CBS ein voller Erfolg. Seit Beginn der Quoten-Aufzeichnung (1986) war es das drittmeistgesehene Major aller Zeiten.

Bei aller Enttäuschung über den verpassten Cut von Martin Kaymer: es ist keine Schande einen Golfplatz zu haben, mit dem man nicht zurecht kommt. Und für Kaymer ist dies offensichtlich Augusta National. Dennoch blieb er in den Top 10 der Weltrangliste (auch wenn sich die Stimmen mehren, dass er dort eigentlich noch nicht hingehört) und hat gleich in doppelter Hinsicht ein warnendes Signal für seine Karriere bekommen, nicht zu früh auf die PGA Tour zu wechseln. Nicht nur, weil er zum zweiten Mal in Folge den Cut verpasste, sondern weil Rory McIlroy – der den Sprung bereits in diesem Jahr wagte – nach dem Turnier bekannte physisch und psychisch so ausgelaugt zu sein, dass er bis Mai kein Golf mehr spielen will.

Europas Ryder Cup Captain Colin Montgomerie wird mit gemischten Gefühlen das Masters aus seinem Schaukelstuhl verfolgt haben. Zwar dürfte er über Lee Westwood jubiliert und auch die Leistungen von Ian Poulter und Miguel Angel Jimenez wohlwollend zur Kenntnis genommen haben, aber sonst gab es nicht viel Positives. Unter den ersten 29 waren neben diesen drei Europäern 18 US-Amerikaner. Besonders die verpassten Cuts von Kaymer, Casey, Harrington, McIlroy und Stenson sowie das katastrophale Wochenende von Sergio Garcia (76 + 78) geben Grund zur Sorge. Glücklicherweise findet der Ryder Cup aber auf europäischem Boden bei einem komplett anderen Course-Setup statt.

Der Grund für Garcias Schwäche? Wie immer sein Putter. Sage und schreibe zehn 3-Putts hatte er im Verlauf des Turniers. Schlechter sah es nur bei Ross Fisher aus, der auf sieben 3-Putts kam – in zwei Runden! Einzige Spieler ohne 3-Putt in vier Runden: Mike Weir, Matt Kuchar und Jerry Kelly

Zum fünften Mal findet in diesem Jahr die U.S. Open in Pebble Beach statt. Zum fünften Mal wird Tom Watson dabei sein. Nach seinem überzeugendens Auftritt beim Masters entschied die USGA, dem 60-Jährigen eine Sondereinladung zuzusprechen. Eine kluge Entscheidung. Nur schade, dass man im gleichen Atemzug nicht auch Freddie Couples einladen konnte.

Und zum Schluss noch einmal eine persönliche Bitte an die hohen Herren von Augusta. Da von Fernsehzeiten bis zur Farbe des Wassers alles kontrolliert wird, wäre es sehr schön wenn man auch den Caddies vorschreiben würde, entweder den Overall zuzuknöpfen, ein Unterhemd zu tragen (wie es Mickelsons Caddie tat) oder die Brust zu rasieren. Ja, Steve Williams, ich rede von Dir. Das graue Brusthaar, das dort aus dem Overall quoll war kein schöner Anblick – und schon gar nicht in HD. Wie es wohl den 36 Haushalten ergangen ist, die das Turnier in diesem Jahr in 3-D empfangen haben und für die es ausgesehen haben muss, als ob der Pelz von Chewbacca oder dem Yeti aus dem Fernseher wächst.

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