Week in Review: Ausgabe 10/2011

Doral, 24 Grad: die Frisur schwitzt

Chad Reynolds hat eine harte Zeit hinter sich. Viereinhalb Jahre lang war er der Caddie von Vijay Singh. Eine Aufgabe, die – nach allem was man so hört – vergleichbar mit der Arbeit als Kindersklave für Mola Ram in „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ ist. Umso mehr genießt Reynolds die Zusammenarbeit mit seinem neuen Arbeitgeber Nick Watney, auch wenn ihm seine Frisur derzeit ein wenig auf die Nerven geht. Ende Januar war der Kurzhaarschnitt schon fest eingeplant, als Reynolds mit Watney witzelte er würde den Friseurtermin verschieben wenn sie bei der Northern Trust Open unter den Top 10 landen. Eine Wette ohne Risiko, schließlich lag Watney vor der Schlussrunde auf Platz 56. Doch dann schoss er eine 63, sprang auf Platz 6 und die Haare blieben. Seither schließen die beiden vor jedem Start die gleiche Wette ab. Watneys Ergebnisse seither: 5., 6., 9. und jetzt der Sieg. Wenn der Amerikaner so weiter macht, wird Caddie Reynolds demnächst Charley Hoffman Konkurrenz machen.

Warum schneller doch besser ist

Wenn ich Tim Finchem wäre, würde ich Anthony Kim und Jeff Overton die PGA-Tour-Verdienstmedaille am Band verleihen. Denn die beiden Amerikaner bewiesen am Wochenende, dass es durchaus möglich ist, auch auf der PGA Tour schnell zu spielen. Weit abgeschlagen gingen sie am Samstag als erstes Duo auf die Runde und absolvierten die 18 Loch in 2 Stunden und 40 Minuten. Kim schoss eine 68, Overton eine 73 – für beide das beste Ergebnis der Woche. Am nächsten Tag durften sie erneut als erste Gruppe auf die Runde und nahmen sich vor, die Zeit noch einmal zu steigern. 2 Stunden und 6 Minuten später hatten sie ihre Schlussrunde absolviert und mit einer 72 und einer 73 erneut ein solides Ergebnis abgeliefert. „Golf würde mehr Spaß machen, wenn das Spieltempo zügiger wäre“, sagte Overton nach der Schnellfeuereinlage. Von dieser Einstellung könnten sich einige mal eine Scheibe abschneiden. Zum Vergleich: Phil Mickelson, Graeme McDowell und Tiger Woods brauchten am Freitag als Dreier-Flight 2 Stunden und 33 Minuten – für 9 Loch! Und mit 71, 73 und 74 war das Ergebnis nicht gerade besser als das von Overton und Kim am Folgetag.

Der Price ist heiß

Dass Nick Price gut in Form ist, deutete er bereits bei der Honda Classic an, als er nach der ersten Runde überraschend vorne auf dem Leaderboard auftauchte. Wie gut, ahnte der Südafrikaner aber wohl selber nichts. Bei der Toshiba Classic spielte der 54-Jährige nicht nur die beste Runde seiner Karriere, sondern teilte auch den Rekord der Champions Tour. Als sechster Senior überhaupt gelang Price eine blitzsaubere 60 mit zwei Eagles und sieben Birdies. Zuvor war ihm in seiner langen Karriere, die drei Majorsiege und 43 Wochen an der Spitze der Weltrangliste umfasste, nie eine bessere Runde als 62 gelungen. Der Vorsprung von 5 Schlägen reichte Price, um seinen vierten Sieg auf der Champions Tour nach Hause zu schaukeln.

Randnotizen von der Champions Tour

Lee Trevino spielt nur noch äußerst selten, aber bei der Toshiba Classic ist der 71-Jährige immer dabei, weil er den Newport Beach Country Club so liebt. Resultat war zum Einen eine sensationelle Pressekonferenz in der Trevino über Slow Play, Wirbelsäulen-OPs in Deutschland, Wetten und das Masters philosophiert. Und zum Anderen seine erste Karriererunde, in der er unter seinem Alter blieb. Und um zu beweisen, dass dies kein Ausrutscher war, legte Trevino in der Schlussrunde noch einmal sein Alter nach. Das Gleiche gelang auch dem 64-Jährigen Gil Morgan in Runde zwei. Für Bernhard Langer lief es hingegen nicht so. Sein Alter zu spielen ist für den „Jungspund“ derzeit ohnehin noch illusorisch, aber in der zweiten Runde gelang es dem Deutschen nicht einmal Par zu spielen – zum ersten Mal seit 19 Runden.

Chinapanne

Die Schlagzeilen bei der Senior World Championship in China gehörten Sandy Lyle. Mit drei Schlägen Vorsprung vor Peter Fowler behielt der Schotte die Oberhand und feierte seinen ersten Sieg seit sage und schreibe 19 Jahren, als er mit dem Volvo Masters letztmals auf der European Tour gewann. 204 Schläge brauchte Lyle für seine drei Runden – oder anders gesagt 29 Schläge weniger als der beste Chinese im Feld. Als veranstaltendes Land stand China ein gewisses Kontingent an Startplätzen zur Verfügung. Die Ergebnisse lassen nur zwei Schlüsse zu: entweder ist das Seniorengolf-Niveau in China extrem schlecht, oder die Startplätze wurden an reiche Geschäftsleute just for fun verkauft. Mit 17 über Par entschied Huang Lian-sheng die interne chinesische Wertung deutlich für sich, bekam als Amateur aber kein Geld. Am meisten verdiente von den Chinesen noch Huang Kai-Wen, der für seine 35 über Par (!) mit 275 Euro entlohnt wurde. Die rote Laterne sicherte sich aber ein anderer. Mit Runden von 86, 87 und 86 blieb Rao Fuhai 43 Schläge über Par. 2 Birdies, 21 Pars, 20 Bogeys, 9 Doppelbogeys, 1 Triplebogey und 1 Quadruplebogey verzeichnete Rao auf seiner Scorekarte, der mit seinem Ergebnis durchaus die Ernsthaftigkeit der Senior Tour in Frage stellt.

Die 10 heißesten Golfer auf dem Planeten

Zwei Runden lang sah es aus als würde Martin Kaymer seine Nr.1-Stellung untermauern, doch dann folgte der Einbruch. Am Ende siegte Nick Watney und untermauerte meine These der vergangenen Wochen, dass er derzeit der beste amerikanische Spieler ist obwohl er selbst bei den Experten in den USA eher unter ferner liefen auftauchte. Man könnte sogar noch weiter gehen und sagen, dass er derzeit der beste Spieler weltweit ist. Er gewann letzte Woche, war beim Accenture Match Play neben Luke Donald der beste Spieler und landete bei seinen anderen drei Starts in 2011 immer in den Top 6. Auf der anderen Seite läuft Lee Westwood weiterhin seiner Form hinterher weswegen er wie die Kollegen Woods und Mickelson aktuell nicht zu den Top 10 der Welt zählen kann.

  1. Nick Watney (+2)
  2. Martin Kaymer (-1)
  3. Luke Donald (+2)
  4. Graeme McDowell (-2)
  5. Matt Kuchar (-)
  6. Bubba Watson (+1)
  7. Franceso Molinari (new)
  8. Hunter Mahan (new)
  9. Dustin Johnson (new)
  10. Paul Casey (-2)

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