Week in Review: Ausgabe 14/2011

Lee Westwood setzt auf Bauchgefühl

Wer am Wochenende die PGA Tour im Fernsehen gesehen hat, muss auf den ersten Blick geglaubt haben, er sei versehentlich bei der Champions Tour gelandet, weil mit Brendan Steele und Adam Scott gleich zwei Spieler mit überlangen Puttern oben auf dem Leaderboard rangierten und ständig im Bild waren. Und es werden immer mehr. Völlig entnervt von den Grüns in Augusta National ließ sich auch Lee Westwood für die Schlussrunde einen Putter in seinen Bauchnabel implantierten – und er will vorerst auch in Zukunft beim Belly Putter bleiben. Eine Entscheidung, die etwas bizarr anmutet – schließlich wurde Westwood mit einem kurzen Putter Nr.1 der Welt, aber es zeigt wie frustriert der Engländer, der als nächstes beim Indonesian Masters auf der Asian Tour antritt, über seinen Saisonverlauf ist.

Auferstanden aus Ruinen?

2005 hat Michael Campbell die U.S. Open gewonnen. Doch in den letzten zweieinhalb Jahren kannte man ihn nur als den Mann der freien Wochenenden. Seit Oktober 2008 war sein bestes Ergebnis auf der European Tour ein 58. Platz. Seine Exemptions nahezu abgelaufen, gibt es nicht wenige, die dem Neuseeländer geraten haben, seine Golfschuhe an den Nagel zu hängen. Doch jetzt hat er seine Bestleistung der letzten 30 Monate gleich zwei Mal unterboten. Erst belegte er bei der Trophee Hassan II Rang 19, dann legte er bei der Malaysian Open einen 36. Platz nach – und das auch nur, weil er die Schlussrunde versaute und 21 Plätze nach unten fiel. Cambo führt sein Revival auf ein Treffen mit Ruderlegende Sir Steve Redgrave zurück, wie der New Zealand Herald schreibt. “Das Polster einer 10-jährigen Exemption für die European Tour hat mich faul gemacht”, gestand Campbell, der seit Ende 2010 einen neuen Trainer hat und jetzt langsam seinen Hunger auf Erfolg zurückbekommt.

Happy Birthday, Manny

Herzlichen Glückwunsch, Matteo Manassero! Nicht nur zum zweiten Sieg auf der European Tour, sondern vor allen Dingen zum heutigen 18. Geburtstag. Der einzige Spieler der European-Tour-Geschichte, der sich vor dem 18. Geburtstag in die Siegerlisten eintragen durfte, könnte sich von seinem Preisgeldern und seinen Sponsorengeldern zwar schon einen kleinen Fuhrpark leisten, selber nutzen darf er ihn aber nicht. Erst mit dem heutigen Tag darf der Italiener in seiner Heimat mit der Führerscheinausbildung beginnen und sie dann im Laufe der nächsten 12 Monate hoffentlich bestehen. Bis dahin darf sich der Kinderschokoladen-Mann über einen Sprung auf Platz 33 der Weltrangliste freuen – und damit die Qualifikation für die restlichen drei Majors des Jahres, nachdem er die Qualifikation für das Masters noch hauchdünn verpasste.

Torschlusspanik

Als am Samstag Abend das Horn das Spielende bei der Malaysian Open wegen Dunkelheit signalisierte, lag Rory McIlroy bequem mit drei Schlägen in Front. Wieder einmal. Exakt eine Woche zuvor hatte er einen vier Schläge Vorsprung beim Masters in einen zehn Schläge Rückstand verwandelt. Ob es der Gedanke an diesen Einbruch war, oder einfach nur Pech. Aber als das Spiel am Sonntag wieder aufgenommen wurde, began McIlroy mit einem Doppelbogey während die Konkurrenz noch zulegte und zu Beginn der vierten Runde hatte McIlroy die Führung an Alexander Noren und Matteo Manassero abgegeben. Zwar brach der Nordire danach nicht dermaßen ein wie in Augusta National, aber mit einem erneuten akuten Anflug von Sergio-Garcia-Syndrom nutzte er die zahlreichen Chancen nicht, die ihm die Konkurrenz während der Schlussrunde gab und stand erneut ohne Titel da. Vielleicht leiht Adam Scott ihm ja mal den Putter.

Cheyenne

Das war ja wieder ein gefundenes Fressen für die Presse: Tiger Woods’ Nichte Cheyenne gewann bei der ACC Women’s Championship mit 7 Schlägen Vorsprung den Titel und gab den Journalisten so die Chance auf diverse Variationen des Themas “wenigstens einer in der Familie ist erfolgreich”. Was dieses Turnier war und wie die Bedeutung ist, vergessen die meisten dabei zu erwähnen. Die ACC, oder Atlantic Coast Conference, ist eine Unter-Division im amerikanischen Collegesport und beinhaltet die Vertreterinnen von neun College-Teams, die bei dem Turnier in erster Linie einen Mannschaftstitel ausspielen. Insofern war das Turnier eigentlich eine Niederlage für Cheyenne Woods, denn in den vergangenen zwei Jahren hatte ihr College, Wake Forest, noch den Titel geholt. Als Trostpflaster blieb ihr der Individualtitel, der sie erneut für die NCAA Championship qualifiziert, bei der die besten Collegegolferinnen des ganzen Landes am Start sind. Mit anderen Worten: Der Sieg von Cheyenne Woods ist zwar ein Erfolg, aber eher vergleichbar mit einem Triumph auf der epd Tour als auf der European Tour.

Powerplay Golf

Vor einigen Wochen wurde auf Initiative des Golf-Digest-Chefredakteurs die WIDE Open Championship veranstaltet bei der die Fahnen in knapp 40cm breiten Löchern steckten. Die Idee dahinter? Mehr Spaß in den Golfsport zu bringen und die Frustration, die er mit sich bringt zu reduzieren, damit er einer breiteren Masse Spaß macht. In eine ähnliche Richtung zielt PowerPlay Golf. 9 Loch werden mit je zwei Flaggen bestückt, eine einfach gesteckte und eine schwierig gesteckte. Auf den ersten 8 Loch muss jeder Spieler am Abschlag von drei Löchern ansagen, dass er die schwierigere Flagge anspielt. Schafft er ein Birdie oder besser an diesen Löchern, gibt es die doppelte Punktzahl. Wer zusätzlich am neunten Loch ein so genanntes Powerplay wagt, riskiert allerdings mit einem Bogey auch drei Minuspunkte. Am 30. Mai feiert das Projekt in Celtic Manor Premiere u.a. mit Paul Casey, Paula Creamer, Graeme McDowell, Gary Player, Ian Poulter, John Daly und dem Deutschen Max Kieffer. Übertragen wird das Ganze live auf der Webseite, allein an den Durchbruch in der breiten Massen mag man nicht glauben. Zu kompliziert sind die Regeln gestrickt, das hätte man auch besser lösen können.b

Die schlechteste Scorekarte der Woche


Kevin Na hat am vergangenen Wochenende eine 16 an einem Loch gespielt, aber das war dennoch nicht das schlechteste Ergebnis. Marcel Siem sei Dank. Dem Deutschen gelang auf den Back 9 seiner zweiten Runde bei der Malaysian Open eine 52, die genausoviele Doppelbogeys wie Pars und mehr Doppelparsals Birdies beinhaltete. Angeblich hat er an einer Lebensmittelvergiftung gelitten – mal wieder.

Die 10 heißesten Golfer auf dem Planeten

Wenig Bewegung in den Top 10 im Vergleich zur Vorwoche. Während die amerikanischen Spieler zum größten Teil die Beine hochlegten, traf sich die europäische Elite zur Malaysian Open und keiner der Spitzenspieler gab sich die Blöße: Martin Kaymer und Rory McIlroy zeigten sich gut erholt von den Augusta-Tiefschlägen während Charl Schwartzel trotz der Masters-Feierlichkeiten immerhin noch Platz 11 belegte. Einzig Adam Scott erlebte durch eine schwache Schlussrunde bei der Texas Open einen kleinen Rückschlag.

  1. Luke Donald (-)
  2. Steve Stricker (-)
  3. Charl Schwartzel (-)
  4. Adam Scott (-2)
  5. Nick Watney (-)
  6. Martin Kaymer (+1)
  7. Matt Kuchar (-2)
  8. Rory McIlroy (new)
  9. Martin Laird (-1)
  10. Tiger Woods (-)

  1. Oha. Michael Campbell labert schon seit Jahren, dass er wieder angreift. Da bin ich mal gespannt.

    Ansonsten: Marcel Siem. Über die Ausreden könnte ich mich stundenlang beömmeln.

    Mal wieder ‘ne schöne Review!

    Cheers
    Denis

  2. ich finde Deinen Kommentar zu Marcel Siem’s schlechter Runde nicht sehr fair. Woher willst Du denn wissen, dass er nur “angeblich” an einer Lebensmittelvergiftung gelitten hat. So wie Du’s schreibst, stellst Du ihn als Simulanten oder Ausreden-König hin, dabei kannst Du es doch überhaupt nicht wissen, ob sich Marcel nicht wirklich eine Art von Magenverstimmung zugezogen hat. Und wenn, dann kann man ihm dafür doch wohl keinen Vorwurf machen, außer man ist euin deutscher Kritikaster. Sorry, aber Du solltest Dich mehr an unseren angelsächsischen Golf- freunden orientieren, die würden nie einen Landsmann mit so albernen Vorwürfen runtermachen. Nix für ungut, aber musste bei mal so raus!

    1. Das angeblich steht da weil es in einem Golf-Forum kolportiert wurde und es nicht aus einer offiziellen Quelle stammt, daher also nicht verbürgt ist. Das hat nichts mit meiner EInschätzung von Siems Gesundheitszustand zu tun.

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