Week in Review: Ausgabe 24/2011

Mit viel Herz zum Erfolg

Im kommenden Jahr wird aller Voraussicht nach ein ganz besonderer Spieler an der PGA Tour teilnehmen: Erik Compton. Wem der Name nichts sagt: der 31-Jährige hat eine einzigartige Lebensgeschichte. Mit 12 Jahren musste er sein erstes Herzimplantat bekommen, mit 27 gab es seinen Dienst auf. Nach einem Herzinfarkt, den er nur knapp überlebte, hatte er mit dem Traum vom Profigolf eigentlich abgeschlossen. Doch dann bekam er ein neues Herz und seither spielt er so gut wie nie zuvor. 2010 qualifizierte er sich für die U.S. Open (siehe Video) und über die Q-School für die Nationwide Tour, wo er jetzt den größten Triumph seiner Karriere feierte. Mit seinem Sieg bei der Mexico Open, bei dem er in der Schlussrunde einen Zwei-Schläge-Rückstand in einen Zwei-Schläge-Sieg umwandelte, katapultierte sich Compton auf Platz zwei der Nationwide-Geldrangliste und hat damit einen Platz unter den Top 25, die sich für die PGA Tour 2012 qualifizieren so gut wie sicher. Eine Geschichte, die perfekt in die aktuelle Diskussion um Organspendeausweise passt – auch wenn der Sieger selber froh ist, dass er jetzt nicht mehr länger „der mit dem Herz“, sondern ein etablierter Spieler ist.

Der taiwanesische Tiger

Als Rory McIlroy die U.S. Open mit 8 Schlägen Vorsprung gewann, redeten alle vom nächsten Tiger Woods. Natürlich völliger Blödsinn, denn der nächste Tiger Woods stammt aus Taiwan und spielt auf der LPGA Tour. Am vergangenen Wochenende hat Yani Tseng bei der LPGA Championship bereits ihr viertes Major gewonnen – und das obwohl sie gerade Mal 22 Jahre alt ist. Mit sage und schreibe zehn Schlägen Vorsprung demoralisierte sie ihre Konkurrenz und landete einen Erfolg, der an Woods‘ Sieg in Pebble Beach 2000 erinnerte. Der Rekord von Patty Berg zwischen 1937 und 1958 mit 15 Major-Siegen ist für Tseng durchaus im Bereich des Möglichen.

Ein Verlierer weniger auf der PGA Tour

Obwohl Alex Cejka einen Cut nach dem anderen verpasst, rückt er auf der Liste der reichsten Loser wieder weiter nach oben. Denn nach Harrison Frazar hat sich mit Fredrik Jacobson wieder einer aus dem Kreis verabschiedet. Mit über 10 Millionen Dollar Preisgeld lag der Schwede bis Sonntag auf dem dritten Platz der Bestverdiener, die noch nie ein Turnier auf der PGA Tour gewonnen haben. Mit dem beinahe geschichtsträchtigen Sieg des Schweden (nur Loch 10 trennte ihn davon als erster Spieler seit 37 Jahren ein Turnier ohne Bogey zu gewinnen) hat sich Cejka in dieser zweifelhaften Bestenliste wieder einen Platz näher an die Spitze rangeschoben. Allerdings fehlen dem Deutschen immer noch vier Millionen Dollar auf Briny Baird und damit den Platz in den Golf-Annalen als größter Loser der Golfgeschichte.

Neues aus Entenhausen

Die amüsanteste Pressekonferenz der vergangen Woche lieferte die finnische Golferin Minea Blomqvist ab. Angesprochen auf den Namen ihres Sohnes Elmo, erklärte sie, dass er aus einem finnischen Sportmärchen stammt und sie sich gar nicht bewusst war, dass es in den USA eine Figur aus der Sesamstraße ist. Anschließend deckte sie noch eine amüsante Verbindung zu den Lustigen Taschenbüchern auf. Sie selbt heißt Minea (Minny), ihr Freund Roope (Kakko, Profi auf der European Tour) trägt den finnischen Namen von Dagobert Duck, und Sohn Elmo hat am gleichen Tag wie Donald Duck Geburtstag und trägt daher den Mittelnamen Aku, wie Donald in Finnland heißt. Und für das zweite Kind steht auch schon der Name fest: Ines (=Daisy Duck). Für den größten Lacher sorgte allerdings eine Journalistin, die Minea auf die Sprünge helfen wollte, als ihr der Name von Dagobert Duck nicht einfiel:

Auf Umwege zur Open Championship

Eigentlich hatten sie beide schon mit der Teilnahme an der Open 2011 abgeschlossen. Sergio Garcia zog sich mit einer Verletzung am Fingernagel aus der Qualifikation zurück und sein Landsmann Pablo Larrazabal war am sechsten Playoff-Loch für den letzten Startplatz gescheitert. Doch als sich die beiden Spanier am Sonntag im Playoff für die BMW Open in München wiederfanden, hatten sie sich beide damit doch noch ihr Ticket für Royal St. George’s gesichert. Über eine Sonder-Geldrangliste von der PGA Championship bis zum Turnier in Eichenried verloste die R&A noch einmal zwei Startplätze, die Larrazabal und Garcia untereinander aufteilten. Doch ob das Garcia darüber hinwegtrösten kann, dass er jetzt schon über 31 Monate auf seinen nächsten Sieg wartet?

It’s Audience Participation Time!!

Die Veranstalter der Irish Open haben eine wunderbare Idee gehabt, die mehr Zuschauer anlocken könnte und positive Schlagzeilen bringt: Sie haben mit Rory McIlroy einen Deal geschlossen, dass beim Pro-Am vor dem Turnier ein Golf-Fan an der Seite des U.S.-Open-Siegers spielen darf. Die Namen aller Zuschauer, die eine Eintrittskarte für die Irish Open lösen, werden in einen Topf geworfen und ein glücklicher Gewinner darf zwei Nächte in einem Vier-Sterne-Hotel nächtigen und als Krönung mit Rory McIlroy in einem Team spielen. So eine Aktion hätte man sich vielleicht auch vergangene Woche in München gewünscht.

Ein Franzose zieht in die Schlacht

Eigentlich hätte Edouard Dubois diese Woche in seiner Heimat bei der Open de France antreten sollen. Doch der Franzose hat höhere Pläne. Denn mit dem Sieg bei der Scottish Hydro Challenge hat der 22-Jährige den großen Traum von der European Tour zum Greifen nahe – und zwar noch in dieser Saison. Weil Dubois bereits die Kärnten Golf Open für sich entschieden hat, fehlt ihm nur noch ein Sieg zu einer sogenannten Battlefield Promotion. Denn, wenn jemand in einer Saison drei Turniere auf der Challenge Tour für sich entscheidet, wird er schnell auf die nächsthöhere Stufe befördert, damit die Konkurrenz nicht länger gedemütigt wird. In der Geschichte der Challenge Tour ist dies bisher erst zwei Mal vorgekommen: 2008 gelang es dem Niederländer Taco Remkes, 2009 Edoardo Molinari. Die erste Chance hat Dubois diese Woche bei „The Princess“ in Malmö, das ausgerechnet von Henrik Stenson veranstalter wird. Der siegte 2000 drei Mal auf der Challenge Tour – bevor die Battlefield Promotion eingeführt wurde.

Die 10 heißesten Golfer auf dem Planeten

Die Woche nach der U.S. Open ist traditionell ruhig, daher verändert sich auch in den Top 10 nicht viel. Mit einer Ausnahme: Sergio Garcia hat nach seinen Leistungen der letzten Wochen verdient in die Diskussion der aktuell zehn besten Golfer aufgenommen zu werden. Dafür fällt Snedeker nach einem eher enttäuschenden 24. Platz bei der Travelers Championship wieder auf Platz 11.

  1. Rory McIlroy (-)
  2. Lee Westwood (-)
  3. Luke Donald (-)
  4. Jason Day (-)
  5. Steve Stricker (-)
  6. Charl Schwartzel (-)
  7. Matt Kuchar (-)
  8. Y.E. Yang (-)
  9. Sergio Garcia (new)
  10. Nick Watney (-)

3 Comments

  • Kai sagt:

    Ich dachte Rory McIlroy hätte sich ebenfalls über eine Battlefield Promotion für die European Tour qualifiziert?

    • Linksgolfer sagt:

      Nein, Rory hat die Challenge Tour komplett ausgelassen. Er ist im September 2007 Profi geworden, hat dann gleich Sponsoreneinladungen erhalten und mit zwei Top-5-Platzierungen in vier Starts genug Preisgeld erspielt um für 2008 die volle Tourkarte zu bekommen.

      edit: What he said

  • Buckelwal sagt:

    Der Begriff „Battlefield promotion“ wurde irrtümlicherweise gelegentlich auch im Zusammenhang mit Mc Ilroy benutzt.
    Im Prinzip bezeichnet man mit diesem nicht offiziellen Begriff die Tatsache, dass ein Spieler drei Turniere innerhalb einer Saison gewinnt, und somit in eine höhere Liga aufsteigt, also z.B. von der Nationwide auf die PGA-tour oder eben von der Challenge- auf die ET (performance promotion).

    Bei Mc Ilroy war es so, dass er, nachdem er ins Profilager gewechselt war, auf Grund seiner schon beachtlichen Erfolge als Amateur, Einladungen für ET-events bekam und sich dort sehr schnell genug Geld erspielt hat um sich dann regulär die ET-Karte zu sichern.

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