Wie das Memorial 2016 gewonnen (und verloren) wurde

In der vergangenen Woche präsentierte die PGA Tour eine weitere Revolution für alle Statistik-Junkies: Nachdem vor einigen Jahren mit Strokes Gained Putting ein relativ objektives System geschaffen wurde um die Puttleistung verschiedener Spieler miteinander vergleichen zu können, wird diese von Mark Broadie entwickelte Methode jetzt auf andere Bereiche ausgeweitet. Von nun an gibt es neben den Strokes Gained Putting auch die Strokes Gained Off the Tee, Stroked Gained Approach Green und Strokes Gainer Around the Green. Mit dieser Datenmasse lässt sich jetzt relativ genau sagen, wo ein Spieler das Turnier gewonnen oder verloren hat. So wie dieses acht Spieler beim Memorial 2016:

William McGirt

Der Sieger des Turniers hat natürlich insgesamt den besten Strokes Gained Wert, da – wenn man alles zusammen addiert – am Ende natürlich wieder die Zahl der Schläge im Vergleich zum gesamten Feld dabei herausspringt. Das Auffällige bei McGirt ist, dass nichts auffällt. In keiner der Kategorien war er der Beste, aber dafür war er auch in keiner schlecht.
Off the Tee: +.467 (Platz 19)
Approach: +1.163 (Platz 10)
Around the Green: +.182 (Platz 38)
Putting: +.981 (Platz 16)
Für gewöhnlich sagt man dass das lange Spiel auf Dauer gesehen die Spreu vom Weizen trennt, aber der Sieger von einzelnen Turnieren meist dadurch heraussticht, dass sein Putter in dieser einen Woche heißgelaufen ist. Das gilt für McGirt nicht. Er hat tatsächlich das Gros seiner Schläge auf dem Weg zum Grün gemacht. Am meisten ins Auge sticht dabei seine Leistung auf der Bahn 5. Auf dem Par 5 hat er aus 198 Yards den zweiten Schlag fünf Meter an die Fahne gelegt, aus 214 Yards sechs Meter und aus 240 Yards rund siebeneinhalb Meter. Sein Birdie-Birdie-Eagle an diesem Loch verdankt er daher in erster Linie seinem guten langen Spiel. Allerdings war auch sein Putten stark. Zwischen 10 und 15 Fuß lochte McGirt prozentual so viel wie kein anderer und seinen ersten Putt legte er fast immer tot ans Loch: bei den Approach Putts belegte er Platz vier. Dass er am Ende das Playoff gewinnen würde, zeichnete sich ab. Schließlich wurde es auf der 18 ausgestragen, wo McGirt im regulären Spiel vom Tee zum Green 0.046 Schläge zum Rest des Feldes gewann und sein Playoff-Gegner Jon Curran 1.16 Schläge vom Tee zum Grün verlor.

Jon Curran

Dass Curran es zumindest ins Playoff geschafft hat, lag an seinem glühend heißen Putter. Keiner war in dieser Woche besser als er, sowohl in den modernen Statistiken als auch in den klassischen: er hatte die wenigsten Putts pro Runde und den zweitbesten Schnitt pro getroffenem Grün, zudem war er Achter bei den Putts innerhalb von 10 Fuß.
Off the Tee: -.689 (Platz 69)
Approach: +.757 (Platz 25)
Around the Green: +.602 (Platz 19)
Putting: +2.123 (Platz 1)
Zurückgehalten wurde Curran schon das ganze Jahr über durch seine Leistung vom Tee. Die PGA Tour umfasst aktuell 199 Spieler in der Statistik, bei den Strokes Gained Off the Tee belegt Curran den 190. Platz. Dies liegt vor allem daran, dass leidiglich David Toms und Darron Stiles kürzer sind als Curran, der im Schnitt nicht einmal auf 270 Yards kommt. Insofern waren seine 275 Yards beim Memorial schon mächtig lang. Vor allem aber war Curran bei den Schlägen ins Grün deutlich besser als bisher in der Saison, wo er ungefähr im Tourschnitt liegt. Vor allem auf Loch 6 überzeugte er, wo er aus 182 Yards auf 3 Meter und aus 144 Yards auf 1 Meter an die Fahne spielte. Letzteres in der zweiten Runde direkt nachdem er auf der 5 aus 96 Yards den Ball versenkte.

Dustin Johnson

Jeder weiß, wo Dustin Johnson seinen Boden gut macht: Power, Power, Power. Erstaunlich belegte der Longhitter beim Memorial in der Driving Distance nur Platz 10, weil er häufig defensiv spielte. Doch die Taktik zahlte sich aus, denn nicht nur vom Tee machte er viel Boden auf die Konkurrenz gut, bei den Schlägen ins Grün war lediglich Bud Cauley besser.
Off the Tee: +.571 (Platz 11)
Approach: +1.775 (Platz 2)
Around the Green: +.044 (Platz 42)
Putting: +.153 (Platz 42)
An der 18 spielte Johnson in Runde zwei den zweiten Schlag aus 147 bzw. 114 Yards tot an den Stock, ähnlich gut war er auch auf Loch 7. Aber wie ebenfalls jeder weiß, fehlt es Johnson häufig an Finesse. Sowohl rund ums Grün als auch darauf lag der Amerikaner im unteren Mittelfeld. Das Problem bei den Putts liegt in erster Linie bei den Kurzen, innerhalb von 3 Metern belegte er lediglich Platz 60. Doch wenn man es noch genauer aufschlüsselt, kann man sogar erkennen, dass Johnson mal wieder von seinen Nerven im Stich gelassen wurde. Denn auf den Back 9 verlor er auf den Grüns mehr als zweieinhalb Schläge aufs Feld, weil er satte 18 Putts brauchte. Am Ende fehlte ihm ein Schlag zum Playoff.

Jason Day

Der Weltrangliste beendete das Memorial mit seinem zweitschlechtesten Ergebnis seit einem Jahr. Doch das Erstaunliche war, wie er sich verabschiedete. Nach drei Runden lag er nur drei Schläge hinter dem Führenden zurück, doch die Attacke blieb aus. Der Grund dafür lag in einem desaströsen langen Spiel.
Off the Tee: +.197 (Platz 32)
Approach: -.567 (Platz 67)
Around the Green: -.350 (Platz 55)
Putting: +2.012 (Platz 2)
Für die gesamte Saison hält sich Day mit Hölzern und Eisen gerade einmal knapp unter den Top 50 der PGA Tour. Was vor allen Dingen vom Tee verwunderlich, schließlich ist kaum einer Länger. Auch beim Memorial belegte er Platz zwei in dieser Kategorie, war dabei aber so vogelwild, dass der Längenvorteil wieder ausradiert wurde. Vor allen Dingen kosteten ihn aber die Schläge ins Grün – und da vor allen Dingen in der Schlussrunde, wo er fünf Schläge aufs Feld verlor. Allen voran auf der 5, wo er aus nur 102 Yards ins Wasser schlug und auf der 12, wo er zuerst aus 188 Yards wässerte und danach den Ball aus 102 Yards übers Grün jagte. Da konnte selbst sein erneut überragendes putten nichts gegen ausrichten.

Rory McIlroy

Rory McIlroy ist eine echte Driving-Maschine. Nicht nur, dass er siebter in der Driving Distance war, er war auch noch unter den Top 25 bei den Fairwaytreffern – eine absolut tödliche Kombination, die dafür sorgte, dass McIlroy mit Ausnahme von Ryan Ruffels dem gesamten restlichen Feld weit über einen halben Schlag pro Runde abnahm.
Off the Tee: +1.534 (Platz 11)
Approach: -.514 (Platz 65)
Around the Green: -.554 (Platz 42)
Putting: +1.826 (Platz 3)
Doch der Grund warum McIlroy auf der PGA Tour in diesem Jahr noch nicht gewonnen hat, liegt in seinem Eisenspiel. Die letzten Jahre machte hier immer pro Runde einen halben Schlag pro Runde auf die Konkurrenz gut, 2016 liegt er jedoch deutlich darunter. Und selten war es schlimmer als in dieser Woche, wo er im tiefroten Bereich lag. Er traf kaum Grüns (Platz 40) und lag dabei weit von der Fahne entfernt (Platz 60). Und die Lagen, die er sich dabei ließ, waren so schlecht, dass er auch noch im Spiel ums Grün litt. Seine vermeintliche Schwachstelle – das putten, bei dem er dieses Jahr ständig den Griff wechselte – war dagegen der Grund, warum er lange Zeit im Titelrennen blieb.

Bud Cauley

Vielleicht sollte Bud Cauley seinen Putter einschmelzen und lieber mit dem Wedge putten. Denn seine unsägliche Performance auf den Grüns hat ihn acht Schläge gekostet. Hätte er einfach nur durchschnittlich geputtet, hätte Cauley das Memorial gewonnen.
Off the Tee: +.256 (Platz 29)
Approach: +2.314 (Platz 1)
Around the Green: +.436 (Platz 26)
Putting: -2.213 (Platz 75)
Zwischen 10 und 15 Fuß versenkte Cauley lediglich 18% seiner Putts womit er Platz 63 im Feld belegte. Innerhalb von 10 Fuß war er sogar noch schlechter, da reichte es nur zu Platz 73. Vor allen Dingen mit den Grüns auf den Back 9 kam Cauley überhaupt nicht zurecht, hier verlor er 86% der Schläge, unter anderem weil er an der 16 in Runde zwei und drei sich aus sieben bzw. zehn Metern einen Dreiputt erlaubte. Dafür schlug keiner so gut den Ball ins Grün wie Cauley. Bei der Entfernung zur Fahne war er neunter im Feld, aber vor allen Dingen überzeugten seine langen Annäherungen. Sowohl beim attackieren von Par 5s als auch bei Annäherungen aus mehr als 200 Yards führte er das Feld an. Seinen besten Schlag hatte er danei an der 15 als er aus 248 Yards den Ball 30cm an den Stock legte.

Bryson DeChambeau

Der Golf-Wissenschaftler wurde bekannt dadurch, dass er seine Eisen und Wedges alle auf die selbe Länge gebracht hat. Beim Memorial zumindest hat sich das nicht ausgezählt: sein Eisenspiel war sehr durchwachsen. Zwar lag er bei den Greens in Regulation im vorderen Mittelfeld aber gerade innerhalb von 125 Yards ließ er die Bälle zu weit von der Fahne weg.
Off the Tee: +.119 (Platz 38)
Approach: -.019 (Platz 51)
Around the Green: +1.434 (Platz 1)
Putting: -.741 (Platz 64)
Doch Grüns zu verfehlen war kein Problem für DeChambeau, denn keiner war besser im kurzen Spiel – allen voran aus dem Bunker, wo er 100% Sand Saves verzeichnete. Allen voran in Runde 2 auf der 16 als er aus dem Bunker lochte – etwas, was er zwei Löcher später vom Vorgrün wiederholte. Angesichts seiner Puttleistung musste er auch lochen, so gelang ihm an der 17 in Runde 1 das Kunststück die Annäherung einen Meter an die Fahne zu chippen aber dann den Putt nicht zu lochen. Fast einen Dreiviertelschlag pro Runde ließ der US Amateur Champion liegen, vor allem weil er zwischen 10 und 15 Fuß gerade einmal 7% der Putts lochte.

Alex Cejka

Die Achillesferse des Deutschen ist und bleibt der Putter. Das wurde auch beim Memorial wieder deutlich. Sobald der Ball weiter als 5 Fuß vom Loch entfernt liegen blieb, geriet Cejka ins Schwimmen. Innerhalb von 10 Fuß versenkte er 85% der Putts, Platz 56 im Feld. Zwischen 10 und 15 Fuß lag er sogar noch schlechter. 12,5% bedeuteten lediglich Platz 70.
Off the Tee: -.469 (Platz 65)
Approach: +.195 (Platz 41)
Around the Green: +.568 (Platz 20)
Putting: -.500 (Platz 58)
Dabei war die reine Anzahl der Putts pro Runde mit 27,25 gar nicht so schlecht. Aber das lag in erster Linie an Cejkas exzellentem Kurzspiel, das ihm kurze Distanzen ließ – die er dann aber nicht immer nutzen konnte. Cejkas zweites Problem neben dem Putten ist auch weiterhin unverändert: er ist einfach zu kurz. Mit 281,5 Yards belegte er in der Drivelänge lediglich Platz 59 im Wochenend-Feld. Da kann er noch so viele Fairways treffen, im modernen Golf ist dies einfach hinderlich. Bei guten Turnieren kann der Deutsche dies durch sein exzellentes Spiel ins Grün ausgleichen. Über die Saison gewinnt er hier 0,6 Schläge pro Runde. Insofern muss man sein Ergebnis beim Memorial in dieser Hinsicht als Enttäuschung verbuchen. Cejka traf nicht einmal 44% seiner Grüns und blieb bei allem was weiter als 125 Yards entfernt war unter seinen Möglichkeiten.

1 Comment

  • Andi sagt:

    Es zeigt sich einmal wieder, dass derjenige die besten Gewinnchancen hat, der am wenigsten Fehler produziert – und nicht derjenige, der die besten Schläge erzielt.

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